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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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jedenfalls diese Aussicht auf unentgeltliche Dienste einHauptgrund dazu.

Daß es unter so bewandten Umständen an allenkleineren Hülfsmitteln fehlte, deren eine revolutionäre Ge-walt bedarf, versteht sich von selbst. Die Presse mangeltein des Wortes buchstäblicher Bedeutung. In Kaiserslautern ,am Sitz der Regierung, war nur eine armselige Handpresse,auf welcher das einzige im Dienste der Negierung ge-schriebene, unansehnliche und ganz lokale Blättchen, derBote für Stadt und Land" gedruckt wurde. DieselbePresse mußte für das Amtsblatt und die Proklamationenverwendet werden. Dadurch wurde die Publikation allerRegierungsmaßregeln durchschnittlich um mehrere Tage ver-spätet. Das so wichtige Anlehen laborirte zwei oder dreiTage, nachdem Alles ausgearbeitet war, noch an der Schwer-fälligkeit dieses Preßzustandes. Ueberhaupt war es für dieganze Existenzweise der Regierung ungünstig, daß sie inKaiserslautern saß; Kaiserslautern ist eigentlich nicht mehr,als ein sehr großes Dorf. Es wird immer von Einflußauf eine Regierung sein, wenn sie an einem Platze residirt,wo die Hälfte der Leute barfuß über die Straße geht undabwechselnd der Kuh- und der Schweinehirt seine Pflege-befohlenen zusammenruft. (So fehlte es beispielsweise inKaiserslautern an Räumlichkeiten für die einzelnen Mi-nisterialbüreaus.) Außerdem war seit jeher der Central-punkt der Landesverwaltung nicht in Kaiserslautern , sondernin Speuer gewesen; es mußte also durch diese Veränderungeine bedeutende Störung entstehen. Wirklich verlegte derLandesausschuß nach seiuer Konstituirung als provisorischeRegierung seine Residenz von Kaiserslautern nach Speuer.Aber schon am folgenden Tag kehrte er an den erstgenanntenOrt zurück. Er war so erzählt man allgemein inder Nacht durch einen ganz geringfügigen Umstand alarmirt