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und zu dem Glauben verführt worden, daß sich ein feind-liches Heer nähere. Einer hatte dem Andern den Schreckenmitgetheilt, und noch in selbiger Nacht oder am folgendenTage ging man nach Lautern zurück. — Außer dem genanntenBlättchen hatte die Regierung kein Agitationsmittel. Auf dasdeutsche Ausland, auch nur die nächsten Nachbarprovinzenzu wirken, war kein Instrument vorhanden. Ein Westphaleund ein Sachse bereisten einige Gegenden, um Volksver-sammlungen zu halten; was ihre Wirksamkeit hemmenmußte, habe ich schon oben erwähnt. Außerdem wurdespäter auch eine Studenteulegion kreirt, deren Mitgliederdie Aufgabe hatten, überall durch Wort und That die Re-gierung zu unterstützen. Es ist möglich, daß Einzelne guteDienste gethan haben. In das Civilkommissariat, wo ichmich aufhielt, wurden drei Erlanger Theologen, bewehrtmit großen, rostigen Chevauxlegers-Säbeln, gesendet, dasUngeleckteste und Ungeschickteste von der Welt. Wo sie auf-traten, liefen sie Gefahr, durchgeprügelt zu werden. —Daß dieser Mangel an guten Agitationsmitteln noch denletzten Rest der Schwungkraft des Volkes untergehen, dietheilweise Begeisterung des ersten Momentes verfliegen ließ,war, wenn Etwas, geeignet, der Revolution ihre einzigeLebenskraft zu entziehen. Außerdem greift auch dieserMangel, wie die andern, in das Gebiet der allseitigenWechselwirkung, worin die Räder eines Staatsgetriebes zueinander stehen, störend ein. Man publizirte eine Gemeinde-ordnung, nach deren Vorschrift namentlich neue Wahlenstattzufinden hatten. Aber da in dem Volk selbst wedervon Natur noch durch politische Erziehung Neigung zueinem erregten Treiben vorhanden war und auch nichteinmal agitirt wurde, so ging die Hauptabsicht des Gesetzesverloren. Die Wahl wurde unter demselben Schlendrian,wie zu guten alten Zeiten abgehalten, und fast überall