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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
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des Krieges. Indem ich hier mit der Schilderung derNevolutionsregierung im Allgemeinen abschließe, werde ichnun den Faden der Ereignisse an der Entwickelung dermilitärischen Zustände fortführen. Das bis hierher Be-richtete wird hingereicht haben, um die trostlosen Bilder,die sich nun aufrollen, vollständig zu erklären.^)

Ich reiste noch am selben Abend, an dem ich gekommenwar, wieder von Kaiserslautern nach Kirchheimbolanden zurück, wo wir die ersten Organisationsgeschäfte in unseremKorps vornahmen. Zwei Tage darauf kam an das Rhein-hessische Provinzialkomitee ein Schreiben von dem Landes-ausschuß, wodurch derselbe erklärte, mit dem Demokraten-verband der Rheinhessen in Vernehmen treten zu wollen,und das Komitee aufforderte, mich als Kommissar für dieseAngelegenheiten an den Ausschuß zu schicken. Am Diens-tag, 15. Mai, reiste ich demzufolge wieder nach Kaisers-lautern. Fenner von Fenneberg war damals provisorischerOberkommandant. Es war offenbar eine Riesenaufgabe,aus dem unordentlichen Nichts, das ihm geboten war,haltbare Rüstungen hervorzuzaubern. Daß er es nichtvermochte, war nicht zu verwundern. Etwas mehr wäreeiner geeigneten Person wohl gelungen. Aber Fenner hattegerade die Gaben nicht, welche hier nöthig waren, um ausdem chaotischen, unerquicklichen Treiben irgend Etwas zu

*) Ich habe nur die Männer aufgeführt, die einen thätigenAntheil an der Revolution nahmen. Dem Namen nach waren nochhineinvcrwickelU Schüler von Zwcibrücken und Kolb von Speier,welche, in die provisorische Regierung gewählt, in München blieben,ohne eine Erklärung abzugeben, bis gegen Ende, wo sie ablehntenKulmann war eine Zeit lang ebenfalls Mitglied der Regierung,trug jedoch stets die Spuren offenbarer Unlust im Gesicht und be-nutzte endlich die Gelegenheit, da man ihn als Gesandten nach Paris schickte, wegzugehen und von Frankfurt aus seine Demission zu schicken.Ludwlg Bcimbergcr's Ges. Schriften. III. 7