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und dergleichen mehr konnten wenig nützen, wo man eineArmee aus der Erde stampfen sollte. Raquillier mag, nachdem Eindruck, den er machte, früher ein braver Subaltern-offizier gewesen sein und viel durchgemacht haben. Aberer war schon das, was man altersschwach nennen kann.Außerdem war ein solches Doppelkommando ein Unsinn,beruhte aber freilich darauf, daß der Landesausschuß wederin den Einen noch in den Anderen Vertrauen hatte.
An jenem selben Dienstag kam durch einen Privatbriefdie dunkele Nachricht von einer Erhebung in Baden nachKaiserslautern . Man berichtete nur von einem Ausschuß,der in Mannheim eingesetzt worden sei. Ich wurde beauf-tragt, dorthin zu gehen, um im Namen der Pfalz mit Badendie Verbindungen einzuleiten. Es war aber auch gemeldetworden, daß ein Angriff ans Mannheim oder von Mann-heim aus auf Ludwigshafen bevorstehe und die Badenser —man wußte noch nicht von dem Uebertritt des Militärs —dort ohne Widerstandskraft seien. Einige Stunden zuvorwar Anneke angekommen und engagirt worden. Wir be-riethen also — Fenner, Anneke*) und ich (ich weiß noch nicht,wie ich dazu kam, aber Fenner zog mich zu) — was zuthun sei. Es wurde beschlossen, die Hälfte des in Kaisers-lautern anwesenden regulären Militärs und eine nenge-bildete Compagnie Freiwilliger nach Ludwigshafen zuführen, wohin Fenner und Anneke sich begeben wollten.Zugleich wnrde bestimmt, daß ein Theil unserer Leute in's
*) Anneke war Lieutenant der preußischen Artillerie gewesen,ein Mann von höherer Bildung und aus innerer, feuriger Ueber-zeugung aus der Armee in den Dienst der Bewegung getreten. Erkommandirte sowohl in der Pfalz als später in Baden ein Corpsund hat sich stets tapfer gehalten. Er lebte als Flüchtling eineZeitlang in London, war Oberst im 34. Regimente der Wisconsin Voluntssrs im Secessionskriege und blieb in Amerika .