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Alsenzthal abgehen, ein anderer aber ebenfalls nachLudwigshafen maschiren, zum Ersatz dafür aber reguläreTruppen zu den unsrigen in's Alsenzthal geschickt werdensollten. Am anderen Morgen fuhren wir ab, ohne daßein Mann des regulären Militärs*) nach Ludwigshafen be-ordert worden wäre. Die, welche in's Alsenzthal geschicktwaren, wurden am zweiten Tag wieder abberufen; wiedereine Probe von Anordnungen, die entweder nicht aus-geführt oder widerrufen wurden. Wir fuhren nach Neu-stadt. Dort kommandirte Strasser, ein Maler aus Tyrol,Flüchtling von den Wiener Oktobertagen her. DerselbeWirrwarr, dasselbe Getöse wie in Kaiserslautern . Ichwüßte nicht, daß während Fenners mehrstündiger An-wesenheit von irgend einer allgemeinen Anordnung dieRede gewesen wäre. In Ludwigshafen , wo Blenker**)kommandirte, den Löhr***) und andere intelligente Leute um-
Es war ein großer Theil der in Nhcinbancrn liegendenGarnison sowohl Infanterie als Kavallerie zu den Insurgenten über-getreten, jedoch keine Offiziere.
Vlcnker, ein geborener Wormser, war eine abenteuerliebendeNatur. Er hatte früher in Griechischen Diensten als Lieutenant derKavallerie gestanden, und trat nun in den Dienst der Pfalz . Zudieser Zeit betrieb er in Worms ein Weingcschäft und lebte in gutenVerhaltnissen. Er hatte eine hübsche Frau, die sich wie Frau Struveund Frau Anncke, an den revolutionären Bestrebungen mit bethciligteund, wie auch Frau Anneke, eine interessante Amazonengcstalt imFeldzuge abgab. Blenker zeichnete sich später im amerikanischenSezessionskrieg als höherer Offizier sehr aus und kam während diesesKrieges auf elende Weise ums Leben, indem einer seiner Soldatendurch eine unvorsichtige Bewegung ihn den Hals mit seinem Bajonettdurchbohrte. Blenker war eine stattliche, martialische Erscheinung, einechter Typus rheinischer Jovialität.
***) Löhr war der Sohn des berühmten Gicßener Pandektisten ,des zahmsten Professors rabiater Sohn, selbst Jurist. Er gingspäter nach San Francisco , wo er noch eine politische Rolle spielteund starb.