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gaben, ging es schon etwas geordneter her. Natürlichsah man auch genug abenteuerliche Renommage und un-taugliche Waffen. Auf dem Kommando beschäftigte mansich stark mit Landau ; doch war Alles nur unbestimmtesGerede. Auf dies Kapitel komme ich noch einmal aus-führlicher zurück. In Ludwigshafen erfuhr ich denn dengenaueren Hergang der Dinge in Baden, namentlich auch,daß der Landesausschuß bereits als Regierung in Karls-ruhe sitze, weßhalb ich meinen Auftrag dort anzubringenhatte. In Mannheim sah es aus wie alle Tage. Ab-gesehen davon, daß die Brückenwache halb und halb mitBürgergarde und Militär besetzt war, merkte man voneiner noch nicht verrauchten Revolution nicht die Spur.Die Straßen und Menschen sahen nicht bloß so nüchternaus wie gewöhnlich, mau hörte auch, wie das doch sonstin aufgeregten Zeiten der Fall ist, beim Vorübergehennie Bruchstücke eines Gesprächs, welches sich um die neuestePolitik drehte. Truppen sah man gar nicht. Dieser Zu-stand fiel mir schwer anf's Herz. Ich äußerte mein Be-denken darüber einem Bekannten, der einen bedeutendenrevolutionären Posten in Mannheim versah und mir zu-fällig im Bahnhof anfstieß.*) Das badische Volk, meinteer, sei eben nicht so radikal. — Die Leute hier herum,erwiderte ich, sehen allerdings aus, als wüßten sie nicht,was sie aus der Revolution machen sollten. Ihr seidwohl gar in Verlegenheit, daß Ihr eine gemacht habt? —Der Andere zuckte halb bejahend mit den Achseln. — Ans der
5) Dieser Bekannte war, wie ich mich noch heute deutlich ent-sinne, Florian Mordes , ein Studicngcnosse, Sohn des AdvokatenMordes, welcher die fürstlich Fürstenbcrgischen Güter verwaltete. Erbetheiligte sich am badischen Ausstand, ging dann nach Amerika undheirathete da eine Gräfin Nrmannsvcrg aus München , die nach seinemTode sich mit Julius Fröliel vermählte.