Druckschrift 
3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

Sznaide.*) Auch war Jeder verblüfft, der ihn zum erstenMale sah. Er hatte auf's Allervollständigste das Aeußereeines pensionirten österreichischen Oberosfiziers: kleine, breiteStatur, dicken Bauch, kurze Beine, lederschlaffe Wangen,kurzen grauen Schnurr- und Backenbart, trug dazu einehohe schwarze Kravatte mit Vatermördern, lange Man-chetten und zwei Ordensbänder auf dem Civilrock. Sznaidewar ehedem General der Kavallerie gewesen und hatteseit langer Zeit in sehr beschränkten Verhältnissen in Paris gelebt. Auch war es gut, daß er nicht verwöhnt war.Die dem pfälzischen Asusral sn ev.sk angewiesene Woh-nung zu Kaiserslautern war eine armselige Spelunke, diezugleich Schlaf-, Arbeits- und Empfangszimmer abgab.An demokratischer Bescheidenheit und Einfachheit hat es inder Pfalz nicht gefehlt. Sznaide bewegte sich dennoch indiesen ärmlichen Verhältnissen mit guter Art. Er ist einsehr manierlicher und gescheuter Herr, möchte ich sagen.Sznaide soll in seiner Muttersprache ein guter Redner sein, istein Mann von umsichtigem und durchdringendem Urtheil,wie ich selber zu erproben Gelegenheit hatte, ist sogar einMann von Geist. Im Vorbeigehen eine kleine Anekdotezum Beleg. Ich sprach mit Sznaide von Sigel.Esmag sein," sagte er,daß Sigel ein theoretisch durchgebildeterund talentvoller Offizier ist, aber zum Praktischen fehltihm noch was Bedeutendes; als ich mit ihm einen Planberieth, zuckten seine Gesichtsmuskeln, ging er mit großenSchritten unruhig auf und ab. So darf kein Militärsein." Für die ihm übertragene Aufgabe war erebenso wenig gemacht, wie seine Vorgänger. Dazu

*) Sznaide war ein Pole, der in der Revolution des Jahres183V gedient hatte. Mein oben geschilderter persönlicher Eindrucktrifft mit dem zusammen, welchen Corvin in seinen Denkwürdigkeitenvon der Persönlichkeit giebt.