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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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kam an einem Abend vor, wo Reichard von Speier zurück-kam und die dort garnisonirende Jägerkompagnie, welchesich zum Uebertritt bereit erklärt, beeidigt und abgeholthatte.Ich hätte," setzte er so beiläufig seiner Erzählungvom Hergang der Dinge hinzu,ich hätte auch die Chevaux-legers mitbringen können; man sagte mir, sie seien ver-sammelt und in Berathung, und es bedürfe nur dessen,daß ich zu ihnen hingehe Ich wartete auf das

gewichtigeaber", welches nun kommen sollte, und wartetevergebens.Aber?" fragte ich endlich.Ja, wart'ich werde dahin gehen und mich am Ende dem aussetzen,daß sie mich abfahren lassen," antwortete Reichard, alswenn sich diese Erklärung von selbst verstünde.Die kom-men von selbst," setzte ein Anderer hinzu. Ich mochteentzweigehen vor Ungeduld. Aber sie hatten Recht, dieChevauxlegers kamen nach einigen Tagen von selbst.Der andere Vorgang war noch krasser. Das in Kaisers-lautern liegende Militär war übergegangen bis auf dreißigMann mit einem Lieutenant, welche die Wache im Arrest-haus hatten und ganz unangefochten ihren Dienst als volks-feindliche Truppen weiter versahen. Eines Morgens kamder Lieutenant, beschwerte sich, daß die Leute keine Diszi-plin mehr hätten, und bat, daß doch einer der Herren vomAusschuß hinübergehen möge, den Soldaten Vorstellungenzu machen. Anfangs hatte man sogar nicht übel Lust, demLieutenant den Gefallen zu thun und die Soldaten zumGehorsam gegen einen Offizier zu ermähnen, welcher sichweigerte, die Verfasfung zu beschwören! Das Arresthausmüsse allerdings sicher sein, meinte man, und das gehenicht, daß die Soldaten keine Disziplin mehr befolgten, jaman designirte schon einen, wenn ich nicht irre Schmidt, ummit ihnen zu reden, als ein Ausschußmitglied auf den Ge-danken kam, daß solch ein Verfahren doch mehr als zu