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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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UM., auf eigene Faust Landau zu nehmen. Germersheimist fester und konnte erst durch die Nachwirkung eines Fallsvon Landau gewonnen werden. Namentlich im Blenker-schen Korps beschäftigte man sich am meisten damit. Derleichte Erfolg bei Ludwigshafen , wo einige hundert MannBaiern, ohne einen Schuß zu wechseln, auf eine bloße De-monstration hin übergegangen waren, hatte das Korps mitZutrauen erfüllt, und man dachte sich auch die Einnahmejener Festung so spaßhaft. Am Tag meiner ersten An-wesenheit in Ludwigshafen stand ich im Gespräch mitBlenker in der Hausflur, als einer von seinen Hauptleuten(kein Militär von Fach) herantrat und militärisch salutirendsagte! Herr Oberst, erlauben Sie mir Landau zu nehmen?Blenker stutzte einen Augenblick und sagte dann, auf denTon eingehend: Sie haben die Erlaubniß. Ich dankeIhnen, erwiderte der Hauptmann kalt, als wenn ihm Einereinen guten Appetit gewünscht hätte, und entfernte sichsalutirend. Von den Folgen dieser Erlaubniß habe ichnichts mehr gehört. Indessen machten diese UmständeBlenker selbst Lust, es mit Landau zu versuchen. Aller-hand übertriebene Gerüchte ließen die Sache gar leicht er-scheinen. Es seien nur noch 300 Mann in der Festung,hieß es, und die Offiziere müßten selber Wachtdienst thun,Geld und Lebensmittel seien im Ausgehen. Die Regierung,wie immer, hatte nicht eine einzige Verbindung mit derStadt zu einem gemeinsamen Handeln oder auch nur zurErmittelung des Thatbestandes. Als die, ursprünglichin der Absicht Mannheim zu besetzen, von Fenner nachLndwigshasen dirigirten Mannschaften, ein Studentenkorpsund die rheinhessischen Scharfschützen, dort eintrafen, faßteBlenker den Entschluß, Landau durch Ueberrumpelung zunehmen, und ordnete in der Nacht vom 19. auf deu20. Mai eine Bewegung seiner sämmtlichen disponiblen