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Truppen gegen Landau hm an. Er dachte im Allgemeinenan eine Cernirung, ohne sich über besondere Maßregelnklar zu sein. Es waren in den unmittelbar vorhergegan-genen Tagen noch so viele Soldaten mit Sack und Packunter den Augen der Kommandanten aus der Festung ab-gezogen, daß man darauf rechnete, der Platz würde Einemgeradezu in die Arme fallen. Aber der Gouverneur, welcherdie wankenden Soldaten ziehen ließ, war klüger als die,welche sich freuten, daß ihre Bundesgenossen herausgingenund sich im Lande zerstreuten.
Am Morgen des 20. Mai hatte sich auf der so-genannten deutschen Seite von Landau eine der Zahlnach nicht unbedeutende, aber was Ordnung, Führungund Bewaffnung betrifft, armselige Schaar aufgestellt.Etwa 300 Mann vom regulären Militär, vertheilt unter1500 Bürgerwehrmänner und Freischärler, außerdem etwaebenso viele als Landsturm aufgebotene, mit Heugabelnbewaffnete Bauern hielten die Anhöhe vor Nußdorf dieEbene herunter, mit dem linken Flügel an die Chaussee ober-halb Landau gelehnt, besetzt. Die französische Seite, d. h.die südliche, war vollkommen, unbesetzt. Die hessischenScharfschützen und andere Abtheilungen standen gänzlichaußer dem Kampfgebiet in Nußdorf. Etwas vor 6 Uhrritt Blenker, begleitet von etwa 30 bis 40 baierischenSoldaten, an das äußere oder Barrikaden -Thor von Landau— die Festungsthore sollten um 6 Uhr geöffnet werden —und er glaubte ohne Widerstand eindringen zu können.Einige Sapeurs hieben das Pallisadenthor nieder, erdrang über die Brücke in den ersten von den äußerenWällen eingeschlossenen Festungsraum, gefolgt von keinerandern Macht als den 40 Soldaten und einem preußischenLandwehr-Offizier S. Blenker rief auf den Wall hinauf:„Brüder, schießt nicht!" Die Wache gab gleichwohl Feuer.