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wenig vertheidigt, daß noch nach dem Rückzüge eine An-zahl Freischärler unter Anführung eines baierischen Unter-offiziers von daher in das Innere der Festungswerke drangund einige Flintenschüsse mit der Besatzung wechselte. DieZustände im Innern des Platzes selbst waren mehr alsgünstig. Die Angaben über die Höhe der Besatzungschwankten zwischen 500 und 1500 Mann. Jedenfallswar die Hälfte zum Uebergehen geneigt. Der Dienst warhart, Mangel aller Art griff um sich, und endlich hieltendie Vertheidiger selbst die Festung für unhaltbar. Unterdiesen Umständen war ein Angriff, berechnet auf ein vorher-getroffenes Einverständniß mit Bürgern und Soldaten,wirklich nur ein Spiel. Man hatte an dieses letzte Hülfs-mittel gedacht, und es — wie immer — zur Hälfte inAnwendung gebracht. Am Tag vor dem Angriff war einAgent aus dem Blenker'schen Lager nach Landau hinein-gegangen und hatte dort am Abend im demokratischen Ver-ein (!) von einer bedeutenden Anzahl Unteroffiziere die Zu-sage der Mitwirkung erhalten, aber weitere gemeinschaftlicheHandlungen zwischen den Gleichgesinnten in und außerhalbder Stadt waren daraus nicht hervorgegangen.
Ich habe diese Operation so ausführlich hier berichtet,einmal weil die Gewinnung der beiden Festungen diewichtigste Aufgabe zur Selbsterhaltung der Revolutionbildete, zum Andern, weil in diesem erfolglosen Streben beiso überaus günstigen Umständen das Urtheil über dieFähigkeit der in der Pfalz beschäftigten Militärs am ent-schiedensten ausgesprochen ist.
Auch blieben die Wirkungen einer so kompromittirendenUngeschicklichkeit nicht aus. Wie in Landau , so war inGermersheim die Besatzung zum Uebertritt geneigt gewesen;ein ganzes Regiment im Wanken, mehrere Kompagnieenwaren ausgezogen und kampirten in Lingenfeld . Als sie