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Die Nothwendigkeit dieser Darstellungsweise einer fast zwei-monatlichen Revolution könnte selbstredend als ein Ver-dammungsurtheil dienen. Materielle Mittel waren nichtda, man hatte nichts als das bischen Spiritus des erstenMoments. Statt einzusehen, daß dies die einzige greifbareWaffe war, tüftelte man an Präparativen, die zu nichtswurden, und der lange hinausgeschobene Moment der Ent-scheidung fand einen vollständig verflogenen Spiritus undzwerghafte Vorbereitungen. Die Zustände unseres Korpsboten ein treues Abbild dieser Verkehrtheit. Als wir aus-zogen, herrschte durchschnittlich die Anschauung unter allenTeilnehmern: In Rheinbaiern einrücken und in den Kampskommen, sei Eins; die Meisten mochten außerdem dazu nureinen kurzen Kampf vor Augen haben, eine Revolution,wie man sie sich von Paris her vorzustellen gewöhnt war.In den ersten Tagen, als wir anfingen zu merken, woranes fehle, sagten wir oft zu einander: Es ist doch gut, daßdie Leute nicht gleich in den Kampf geführt werden mußten;jetzt aber, wo ich übersehen kann, was mit allen diesenkleinen Präparativen geleistet wurde, habe ich die festeUeberzeugung, daß dieselben Leute am ersten Tage mehrgeleistet hätten, als nach sechswöchentlichen Rüstungen.
Die Geldnoth bildete natürlich den Mittelpunkt allerunserer wirklich unsäglichen Drangsale. Während wirselbst natürlich Tag und Nacht in Sorge waren überdie Ausrüstung des Korps, wendeten alle Einzelnen sichan uns mit Klagen, Vorwürfen, Schmähungen in's Un-endliche. Die Noth dieser sechswöchentlichen Freischaaren-Vaterschaft ist wahrhast unbeschreiblich gewesen. Die Leutewaren durchschnittlich von den ersten Tagen an mißvergnügt.Sie waren eben der großen Mehrzahl nach Männer, dieaus reiner Sympathie für die Sache von ihrem geordnetenGeschäft, vom Pflug, aus der Werkstätte, vom Schreibtische