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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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weggegangen waren und nun, ohne daß sie darauf gefaßtgewesen wären, nicht bloß auf voraussichtlich lange Zeitdas Leben eines Soldaten, sondern auch noch eines gänz-lich vernachlässigten und müßigen Soldaten führen sollten.In der That entfernten sich auch im Laufe der ersten Wochedreihundert, um in ihre Heimath zurückzukehren. Bei alldem verstand man bei unserem Korps unter den gegebenenUmständen bei Weitem noch am besten zu wirthschaften.Unser Kommandant hatte in dem Theil der Organisation,welche die Ausrüstung betraf, ein wahres Spezialtalent.Im Nu waren die Werkstätten für die wichtigsten Bedürf-nisse in bewundernswerther Ordnung und Regsamkeit her-gestellt. Schuster, Schneider, Sattler, Büchsenmacher ar-beiteten vom dritten Tag an unter einer gemeinsamenDirektion, gleich als wenn Alles seit ewigen Zeiten voneinem vielbedienten Kriegsministerium etablirt worden wäre.Unser Korps, das in den ersten Wochen aus etwa1200 Leuten bestand, beschäftigte damals etwa 25 Schuh-macher und ebenso viele Schneider. Außerdem erhieltenwir fertige Schuhe, Hemden und Blousen auch in beträcht-licher Anzahl von Mainz und Alzey . Aber Alles zu-sammen lieferte nur einen Tropfen in's Meer. Fortwährendherrschte der größte Mangel am Allernöthigsten. In Ordnungund Büreaukratie lieferten wir das vollkommene Gegentheilder Zentralbehörden der Pfalz . Wir hatten unsere genaueBuchführung in allen Punkten und die mannigfaltigste Ge-schäftstheilung: Kassenwesen, Werkstättendirektion, Rekru-tirungsamt, Feldzeugamt, und sogar eine Feldpost. DerEifer und die Anstrengung der Einzelnen, welche alle dieseDienste versahen, waren wirklich groß. Die langweiligstenund schwierigsten Posten wurden von Leuten, die nichteinen Kreuzer Sold bezogen, mit wunderbarem Fleiß besorgt.Wir hatten anfangs selbst einige Fonds mitgebracht,