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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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die aber bald aufgezehrt waren, und mußten dann von derpfälzischen Regierung alimentirt werden. Wie es damitaussah kann man sich aus dem Frühern denken. Wir lebtenbeständig zwischen Nahrungssorgen und Meuterei. JedenAugenblick reiste Einer von uns nach Kaiserslautern , umeinige Tropfen auf den heißen Stein herbeizuschleppen. Dortjagte unsre bloße Erscheinung dem Finanzminister Schreckenein, und man wehklagte über unsere Unersättlichkeit. ImLaufe von sechs Wochen, wo die Zahl der Mannschaftzwischen 1000 und 1500 differirte, erhielten wir Alles inAllem 7000 fl. Damit sollten wir Kleidungsstücke, Patron-taschen, tausenderlei kleinere Bewaffnungsstücke, Munition,Sold, ewige Märsche bestreiken! Wir brachten es nie dazu,alle Mannschaft auf den Sohlen zu haben, ein Theil wan-derte stets auf der bloßen deutschen Erde. Der Mangelan Verpflegung dieser Art trug überhaupt keine unbedeu-tende Mitschuld an unserer Niederlage. Vor Allem erzeugteer ewige Verstimmung. Stündlich fielen unangenehme Szenenvor, die ihren Ursprung nur in den Klagen der Leute hatten.Außerdem aber wirkten die Mängel natürlich auf die Kampf-fähigkeit. Erhielt eine Compagnie Marschordre, so erklärteder Hauptmann, er könne nicht von der Stelle, weil einDrittel der Leute ohne Schuhe sei. Regnete es unterwegs,so ging die Munition aus Mangel an Patrontaschen zuGrunde. Mußte bivouakirt werden, so litten die Leute,welche nichts als eine Blouse trugen, von der Feuchtigkeitund Kälte der Nacht und konnten nichts Warmes essen,weil keine Feldkochapparate da waren. So kam es stets,daß im Augenblick der Gefahr die Mannschaft durch dievorausgegangenen Strapazen beinahe kampfunfähig war.Dazu gesellte sich nun noch die Mangelhaftigkeit der mili-tärischen Organisation im engeren Sinne, Vor Allem fehltendie Waffen. Außerdem konnte das Exercitium nie dahin