Druckschrift 
3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

- 135^

Bedenklichkeiten hier vorlägen, und einmal auf diese Richtunggebracht, schloß sich Reichard natürlich vollkommen an. Nunkam ich in die Verlegenheit, mir alles das als Entgegnung vor-halten zu hören, was ich selber Zitz vorgehalten hatte, ichsollte gewissermaßen meine eigenen Gründe widerlegen. Esblieb mir eine Alternative: ich mußte mich fügen und un-seren Antrag zurücknehmen, oder es über mich nehmen, gegendie Ansicht und den Willen der Regierung einen eklatantenSchritt zu thun, welchem wahrscheinlich hernach als demersten Anstoß der ganze Ruin der Pfalz zugeschrieben wordenwäre. Ich wählte das Erstere und gab nach. Es mageine Schwäche gewesen sein, daß ich aus Furcht vor un-gerechten Anklagen Etwas unterließ, was mir meine Ueber-zeugung durchaus zu verantworten gestattete. Die Zeit hatbewiesen, daß wir nichts verdorben hätten, wenn in Folgeunseres Schrittes wirklich die Pfalz 14 Tage früher sichselbst aufgegeben hätte. Aber man wird begreifen, daß esdennoch kein kleiner Entschluß war, es über sich zu nehmen,einer Bewegung, auf die ganz Deutschland als seine letzteLebenshoffnung hinsah, den Gnadenstoß zu geben und dasVerdikt einer solchen Schuld mit dem Troste, daß man sichunschuldig fühle, zu tragen. Gewiß war die Befürchtung,später mit der Verantwortlichkeit für das Scheitern derganzen Erhebung von allen Seiten belastet zu werden, nichtübertrieben. Die gegenseitigen Anklagen, welche jedesmalunter den Gliedern einer gefallenen Partei aufstehen, sindwahrlich diesmal uicht ausgeblieben und haben sich an un-endlich geringere Anlässe geklammert. Zitz wollte das Allesüber sich ergehen lassen in dem Bewußtsein, vor sich selbergerechtfertigt zu sein. Ich hatte diesen Muth nicht, undtrotzdem die Sache jetzt gefallen ist, kann ich meinen da-maligen Entschluß nicht bereuen, weil ich weiß, daß ich imähnlichen Fall stets wieder so handeln würde. Ging es