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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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alle einzelnen Abtheilungen. Wir marschirten indessen weitervorwärts, indem die auf dem Rückweg befindliche Kompagniebeordert wurde, sich uns anzuschließen. Es dauerte nichtlange, so gewahrten wir ein Detachement preußischerKavallerie, welches allerdings die Straße zu unserer Rechtenumgangen hatte und nun von der Flanke her auf unsgallopirte, sobald wir aber Position genommen und einegute Zahl Plänkler ausgesendet hatten, wieder abschweifteund nach der Grenze zu davon ritt. Morschheim wurdenun wieder besetzt und wir blieben dort bis 10 Uhrstehen, ohne daß noch Etwas von einem Feinde sichtbargeworden wäre. Dies und die Vcrgleichung des Terrainsüberhaupt bestärkte uns in dem Glauben, daß wir in derallernächsten Zeit keinen ernsten Angriff, sondern nurNeckereien zu bestehen haben, die Hauptoperationen abermehr gegen den Süden in die große Ebene von Mutter-stadt gerichtet sein, und wir deßhalb Zeit haben würdendie Antwort des Oberkommando's auf das Memorandumvon Grünstadt abzuwarten, ohne auf eigene Faust zuhandeln. Eine Kompagnie, deren Hauptmann für einender Tapfersten und Rüstigsten im Korps galt, wurde alsBesatzung in Morschheim zurückgelassen, der Rest marschirtewieder nach Kirchheimbolanden . Andern Morgens um5 Uhr wieder Allarm in allen Gassen, Generalmarsch,entsetzte Gesichter, Hin- und Herrennen, Rufen, Jammern,Fragen. Die Preußen kommen! die Preußen kommen!Kein Tambour wußte Rechenschaft zu geben, wer ihn be-ordert habe, Keiner wußte zu sagen, woher die Nachrichtkäme, und wir mußten um so mehr an einen blindenLärm glauben, als ja alle Zugänge so besetzt wordenwaren, daß ein solcher plötzlicher Ueberfall unmöglich schien.Wie erstaunte ich aber, als ich, an die Hauptwache kommend,dort die Kompagnie fand, welche wir als Besatzung in

Ludwig Bmnbergir's Ges. Schriften. III.

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