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Morschheim gelassen hatten. Als ich dem Hauptmannmeine Verwunderung darüber ausdrückte, antwortete ermir barsch: Die Leute seien zu müde gewesen, um denFeldienst zu versehen und er sei deßhalb im Laufe derNacht zurückmarschirt! Es war das gewiß ein unverzeih-licher Streich, der aber seine Erklärung allerdings wiederin den Grnndübeln der ganzen militärischen Lage derPfalz fand. Denn die Leute waren in der That durchdie Manöver im Alsenzthal, wo sie in der elendestenKleidung der schlechtesten Witterung preisgegeben waren,über die Maßen ermüdet und hatten außerdem 24 Stundenweder ein ordentliches Nachtlager noch eine warme Speiseauftrerben können. So war nun Morschheim von Besatzungentblößt, und auf der ganzen Kaiserstraße bis nach Kirch-heim nicht ein einziger Posten geblieben, und es stellte sichbald heraus, daß die Preußen dort eingerückt waren undmit Macht auf uns los marschirten. Als Rnppert aufdem Sammelplatz erschien, und wieder wie gewöhnlich,einem Automaten gleich herumlief, beschwor ich ihn, dochirgend Etwas anzuordnen, was in dieser dringenden Lagegeschehen solle. Allein ich hätte ebenso gut mich an dennächsten Laternenpfosten gewandt. Es war kein zusammen-hängender Gedanke und noch weniger irgend eine Anord-nung aus ihm herauszubringen. Während sich die Mann-schaft noch sammelte und einer der erwähnten polnischenOffiziere sich mit Herstellung der nöthigsten Ordnung be-schäftigte, ging ich nach Hause. Ich hatte mir eine Ent-zündung am rechten Fußgelenke zugezogen, die durch denMarsch vom vorhergehenden Abend so sehr gesteigert war,daß ich kaum länger stehen konnte. Als ich nach Hausekam, fand ich in der Wohnstube Zitz, umgeben von einergroßen Anzahl Kirchheimer Bürgern, welche das ganzeZimmer ausfüllten. Bürgermeister, Stadträthe und Offiziere