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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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der Gürgerwehr, Reaktionäre und Liberale waren brüderlichvereinigt, um uns die dringendsten Vorstellungen gegeneine Vertheidigung des Platzes zu machen, in dessen Folgedie Stadt leiden könnte. Ja man setzte sogar hinzu:falls wir dennoch den Kampf annehmen, oder es etwamit Barrikaden versuchen sollten, so würden wir die Bürgerim Rücken zu Feinden haben. Ein Hauptredner dieserliebenswürdigen Deputation war einer der ersten Liberalendes Orts, der mehrere hohe revolutionäre Funktionen ver-sah. Wir antworteten, daß wir selber hier als in einermilitärischen Sache nichts zu entscheiden hätten, und daßdie Frage auch rein aus dem Gesichtspunkt der strategischenRathsamkeit gelöst werden müsse. Unterdessen sah manbereits die Preußen von drei Seiten mit Artillerie undKavallerie in überlegener Zahl heranrücken; die Stimmungunserer Mannschaft war im Allgemeinen nicht die beste.Als unter diesen Umständen der Kommandant Ruppertnoch immer nicht zu einer Handlung gekommen war, ent-schlossen Zitz und ich uns auf eigne Faust zu handeln, wolängere Säumniß mit irgend einer Anordnung dasSchlimmste war, was geschehen konnte. An einen Wider-stand war, wie aus der obigen Schilderung hervorgeht,nicht zu denken. In Kirchheim selbst standen im Ganzenin jenem Augenblick höchstens etwa 400 Mann; ob dieübrigen, welche auf umliegende Dörfer postirt waren, beieinem sich entspinnenden Kampf eintreffen würden, wareine große Frage. Die Zahl der anmarschirenden Preußenbetrug mindestens 3000 Mann. Kavallerie und Artilleriehatten wir gar nicht. Es war mithin der Augenblick ein-getreten, von dem Vorbehalt des noch unbeantwortetenMemorandums Gebrauch zu machen und den Rückzuganzuordnen. Zitz und ich fertigten also an alle einzelnenCompagnieführer schriftliche Ordres aus, sich am Gebirge