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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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her nach Dürkheim an der Haardt nnd von da nach Neu-stadt zurückzuziehen. Kurz darauf begaben wir uns noch-mals auf den Sammelplatz und überzeugten uns, daßdie Ordres ausgeführt waren. Es befand sich kein Menschmehr daselbst, die Kompagnien waren abgezogen und diepreußische Artillerie feuerte die Landstraße herab, auf derwir uns befanden. Eine kurz vorher improvisirte Barrikadewar verlassen, die Mannschaft bereits außerhalb der Stadt.Es war mir unmöglich, länger zu Fuß zu gehen, ich ließmir einen Wagen anspannen, Zitz setzte sich zu mir, undwir fuhren auf der Straße nach Rockenhausen zu, ab.Als wir etwa hundert Schritte weit hinaus waren, fielder letzte Kanonenschuß und die Preußen zogen von derKaiserstraße her ein. Später erst erfuhren wir, daß nocheine kleine Zahl der Unsrigen im Schloßgarten zurück-geblieben war. Sei es, daß sie das mehrmals wiederholteHornsignal nicht vernahmen, sei es, daß sie es mißverstanden,oder daß sie überhaupt nicht weichen wollten: die Schützen-kompagnie, wozu sie gehörten, zog ab, ohne zu entdecken,wo die Fehlenden seien. Die anrückenden Preußen fandensie noch im Schloßgarten und es entspann sich dort einKampf. Das Gerücht meldete später, es seien dabei sieb-zehn Schützen gefallen, doch ist diese Zahl wohl über-trieben. Mehrere, die ausdrücklich mit Namen unter denGefallenen aufgeführt wurden, sind noch am Leben. Gewißist, daß zehn gefangen wurden. Außerdem waren vor derAnordnung des Rückzugs einige Plänkler verwundet worden.Die andere Seite des Gerüchts, daß im Schloßgarten vierzigPreußen gefallen seien, ist sicher übertrieben und giebt einenMaßstab sür das Uebrige ab. Als wir etwa drei Stundengefahren waren, erfuhren wir, daß Kaiserslautern bereitsam Abend vorher geräumt und im Lause des Vormittagsvon den Preußen besetzt worden sei. Unter allen Unge-