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Herrlichkeiten der pfälzischen Kriegsleitung ist wohl keinemerkwürdigere zu finden, als daß man uns Seitens desOberkommandos ohne Nachricht über diese Räumung undruhig auf unserem Posten ließ, während man unserenRücken von einer Seite her Preis gab, wo wir es amallerwenigsten erwarten konnten. Angenommen, irgend einGrund hätte nns bestimmt, in Kirchheimbolanden ernstenWiderstand zn leisten, angenommen selbst, wir hätten dortden Angriff von Osten her gewahrt, so waren wir zumLohne dafür einige Stunden später vollständig cernirt undverloren, denn bereits im Lauf des Nachmittags reichtensich die preußischen Vorposten von Kaiserslautern und Kirch-heimbolanden her die Hände. Der Einmarsch war zugleichvon drei Seiten her erfolgt; von Osten über Kirchheim undGrünstadt, von Westen über Homburg und von Nordenüber Lauterecken . Von allen drei Seiten her dirigirte sichder Feind auf Kaiserslautern zu. Nirgends fand er ernstenWiderstand. Ueberall war entweder die Zahl von vorn-herein zu gering oder sie verminderte sich beim ersten Schußum die Hälfte. Die Volkswehr, die im Lauterthal stand,lies, während der Kommandant auf's Rekognosciren ge-gangen war, sammt und sonders davon; von 2400 Mann,die bei Grünstadt und Göllheim standen, waren eine Viertel-stunde, nachdem das Gerücht von der Annäherung derPreußen sich verbreitet hatte, nur noch 400 Mann übrig.Weiße und blauweiße Fahnen empfingen vielfach die ein-marschirenden Königlichen. Die provisorische Regierungund das Militärkommando waren nach Neustadt gezogen,wo sich auch die Ueberreste der auf dem Rückzug befind-lichen Truppen sammelten. Am Ende der von Kaisers-lautern nach Neustadt führenden Eisenbahn, deren Lokomo-tiven alle beim Rückzug mit weggenommen waren, wurdennoch einige Befestigungen ausgeführt, sei's, weil man einen