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Augenblick daran dachte, sich in dem engen Thale zwischenNeustadt uud Frankenthal zu halten, sei's, um gegen einrasches Nachrücken des Feindes gesichert zu sein. In Neu-stadt setzte sich auf Anordnung Miroslawskys der ganzeZug nach dem Badischen in Bewegung. Fünf Tage, vomDonnerstag den 14. bis Montag den 18. Juni gingenzwischen der Invasion und dem Uebertritt auf das badischeGebiet vorüber, ohne daß es noch irgendwo zu einemernsten Zusammenstoß gekommen wäre. Bei Dürkheim undim Anweiler Thale gab es noch einige unbedeutendePlänkeleien. Es wäre den Preußen ein Leichtes gewesen,im Lauf von drei Tagen ihre Macht nach dem Rheine hinvorzurücken und den ganzen Rückzug abzuschneiden. Volle24 Stunden, ehe das pfälzische Korps bei Knielingen überden Rhein ging, standen die Preußen bereits von beidenSeiten um wenige Stunden entfernt in Dahn und inGermersheim . Absicht war es gewiß nicht, diese immerhinnoch ansehnliche Macht von etwa 8000 Mann mit sechsKanonen und vielen Vorräthen ruhig ins Badische gehenzu lassen; wahrscheinlich vielmehr falsche Berechnung un-serer Kräfte, deren richtige Schätzung den Feind wohl zueiner ganz andern Operationsweise hätte bestimmen müssen.Es scheint, daß man — vielleicht nicht mit Unrecht — sichzum Grundsatze gemacht hatte, auch nicht das Geringste zuwagen und nur da anzugreifen, wo man der Uebermachtganz gewiß war. Die Okkupation der Pfalz war einMarsch, aber kein Sieg. Jetzt erst, als Alles in vollemRückzug war, entschloß sich Baden, der Pfalz Hülfezu leisten und kam auf den klugen Einfall, die Opera-tionen gegen Landau zu unterstützen, welche Willich seitjenem früheren Versuch, so gut es mit seinen geringenKräften und ohne ein Stück Geschütz gehen konnte, geleitethatte. Ein lächerlicheres Irvp tarci ist nie da gewesen.