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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Am 15. oder 16. wurden einige badische Truppen nachLandau geschickt, welche aber am 17. schon wieder zurück-

I kamen, weil die Preußen bereits im Begriffe waren, die

Verbindung zwischen Germersheim und Landau herzustellen. Am 18. Juni Vormittags ging der Ueberrest der Pfälzer Revolution, etwa 6000 Mann Infanterie: nämlich sämmt-liche Freischaaren, der größte Theil des übergetretenenregulären Militärs und einige Volksivehr, welche letzterezum Theil noch auf dem Rückzug ausgehobeu worden war,ferner 45 Mann Chevauxlegers, die 8 von Baden gekauftenKanonen, der Generalstab, die provisorische Negierung unddas ganze Kanzleipersonal auf der zwischen Wörth undKnielingen das bairische und badische Ufer verbindendenSchiffbrücke über den Rhein ein trauriger, demüthigenderAnblick und für mich die klarste Vorbedeutung von demSchicksal Badens, welches nicht blos kurzsichtiger und eng-

, herziger Weise die Pfalz im Stiche gelassen, sondern sich

so wenig um deren Schicksal bekümmert hatte, daß ihmdieses Ende der Dinge vollständig unerwartet zu kommenschien, ein Ende, das jeder halbwegs einsichtige Mensch inder Pfalz deutlich vorausgeahnt hatte, und auf welchesauch die badischen Führer vorbereitet sein konnten, wennsie den zahlreichen wahrhaftigen Schilderungen, welche ihnenvon Eingeweihten wochenlang voraus gemacht wurden,hätten Gehör schenken wollen. Die ganze Rheinlinie, welchejetzt plötzlich frei wurde, war ungedeckt. Am selben Morgenerst, wo der Uebergang stattfand, wurden bei Knielingeneinige Schanzen errichtet, der Uebergang von Speier warnur von ein paar Dutzend Leuteu besetzt, und der Einfallbei Germersheim , der zwei Tage später sich ereignete, wardas Produkt derselben Sorglosigkeit. Für die seit dreiTagen erwarteten Pfälzer Truppen war durchaus keineVorsorge getroffen. Als die ermüdeten Leute ankamen,