Druckschrift 
3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

153

fuß in den Häusern und wartete auf neue Schuhe, um sichvon der Stelle bewegen zu können, ebenso viele hattenkeine Hosen oder Blousen mehr. Mit dem Augenblick, wodas Korps nach Baden hinüberging, hatten wir den Ent-schluß gefaßt, die Funktion als Provinzialkomitee, welchenun ganz illusorisch werden mußte, ohne an Verantwort-lichkeit oder Last etwas zu verlieren, aufzugeben und dasKorps direkt unter das badische Kriegsministerium zu stellen,welches unter allen Umständen, und wäre es auch bloßwegen seiner materiellen Mittel, mehr Vertrauen einflößte,als das pfälzische. Ich ging noch am Abend des 18. zudem Kriegsminister Werner und machte ihm den betreffendenVorschlag. Er verlangte, daß ich ihn schriftlich eingebe.Ich gehe nach Haus, schreibe, fertige ein vollständiges In-ventar, das ich mit zu übergeben anbiete, und reiche Allesein. Der andere Tag vergeht, ohne daß ich Bescheid er-halte. Ich gehe wieder aufs Kriegsministerium. Die Ein-gabe war ungelesen verloren gegangen. Die Unordnung,das Getümmel der Regierungsdilettanten und die Kleinig-keitskrämerei waren gerade wie in der Pfalz . Nachdemich noch einen Tag vergeblich gewartet hatte, entschloß ichmich, persönlich zu Mieroslawsky nach Heidelberg zu gehen,um wo möglich mit diesem die Sache auf summarischeWeise abzumachen. Als ich am Morgen des 20. in dieserAbsicht auf den Karlsruher Bahnhof kam, rief mich eingenauer Bekannter aus früherer Zeit an und nahm michauf die Seite:Wo willst Du hin?" Nach Heidelberg zu Mieroslawsky.Du kannst nicht. Die Preußen sindbei Germersheim über den Rhein , die ganze Besatzung vonPhilippsburg ist in einem Zuge bis nach Bruchsal gelaufen,ich selber bin Zivilkommissär von Bruchsal und eben hier,um den Vorfall zu melden." Dies war Morgens um10 Uhr, die oben erwähnte Meldung selber schon um