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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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9 Uhr gemacht worden. Bei Tisch sprach ich um 2 Uhrmit dem Minister des Innern, der zu dieser Zeit, alsovolle 5 Stunden nachher noch nichts von diesem inhalt-schweren Ereigniß wußte und es nicht glauben wollte!Mache man sich darnach ein Bild von der Handhabungder obersten Regierungsgeschäfte. Da inzwischen wederein Bescheid von Seiten des Kriegsministeriums an michgekommen, noch eine Besprechung mit Mieroslawsky mög-lich war, so standen wir noch immer in den alten Schuhen,unter pfälzischer Oberleitung und dem segensreichen Kom-mando des Majors Nuppert. Unter diesen Umständen er-hielt das Korps von dem pfälzischen Oberkommando Be-fehl, nach Eggenstein und Leopoldshafen zu rücken, woman das erste Gefecht mit den über den Rhein gegangenenPreußen erwartete. Während das Korps von Neureuthaus direkt nach Eggenstein marschirt war, folgte ich miteiner Kompagnie, die in Bulach im Quartier war, nach.Als wir mit den Uebrigen zusammentrafen, standen die-selben, wie sie gekommen waren, auf der Chaussee, undals ich fragte, was denn geschehen, ob hier eine Aufstellunggenommen, ob die nachgekommene Kompagnie hier eben-falls Posto fassen, ob man die Bagagewagen da behaltenoder zurückschicken solle u. dgl. m., war Ruppert die alteunerschütterliche Säule. Der Oberst war nicht zu finden,Ordres keine gegeben. Auch der Offizier, welcher die zweiebenfalls und zwar hinter uns auf der Chaussee postirtenGeschütze befehligte, wußte nicht, was er thun solle. Zu-gleich kamen Gerüchte von ungeheuren feindlichen Massen,die bereits an dem nächsten Orte, Graben, stünden. Eswurde Nacht, wir hörten und sahen Nichts, Keiner wußte,was geschehen solle, was vor, hinter oder neben uns sei,ja es war nicht einmal eine Parole ausgegeben, um Freundvon Feind unterscheiden zu können. Das WortVerrath"