Druckschrift 
3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
155
Einzelbild herunterladen
 

155

ging vielfach durch die Reihen, und wenn auch der Ver-dacht der Verrätherei in diesem Feldzug aufs Lächerlichstemißbraucht wurde, so war die Lage jener Nacht eine solche,in welcher sich diese Uebertreibung noch am ersten ent-schuldigen ließ. Als nach einiger Zeit noch immer keineOrdres kamen, verlangten einzelne Offiziere, daß manwenigstens eine Stellung einnehme, die irgend einen mili-tärischen Sinn habe. Ruppert fügte sich und--fing

an, seine Pelotons zu organisiren! Abends halb 9 Uhr,fast Angesichts des Feindes! Diese Stupidität war zumVerzweifeln. Aber er war Kommandant, und um die Ent-mutigung der Leute nicht zu steigern, mußte man ihn ge-währen lassen. Er nahm also einen Bleistift und fing wiederan zu zählen und zu rechnen, zerriß die Kompagnieen undstiftete dadurch so viel Unordnung und Ungelenkigkeit alsmöglich. Nachdem er eine Stunde lang gezählt, abgetheilt

' und wieder abgetheilt hatte, bildete er endlich zwei Carres

zu beiden Seiten der Chaussee, Carres von zwei MannHöhe, die mit sechs Pferden umzurennen waren. In diesemZustand, in Dunkelheit und einer empfindlichen Kälte ver-ging die Nacht, während der die Unzufriedenheit und dasMißtrauen immer mehr stiegen. Viele erklärten mir, siewürden anderen Morgens das Korps und Baden verlassen,und es fiel mir auch gar nicht ein, sie davon abwendig zumachen, denn es mußte aus solcher Wirthschaft Jedem klarwerden, daß in Baden nicht viel Besseres mehr zu erwartensei, als in der Pfalz, und ich fand es ganz in der Ord-nung, daß die Leute nicht Lust hallen, sich von der Dumm-heit und Kopflosigkeit opfern zu lassen. Des Morgenskam em Reiter, welcher den mündlichen Befehl überbrachte

' nach Karlsruhe zurückzukehren. Die Mangelhaftigkeit dieser

Form gab Grund, die Ausführung zu beanstanden. Einige