— 173 —
seiner Fittiche herausgejagt, wenn das Zion des Jesuitis-mns gebrochen, wenn die Stimmen der Nationen ringsumlaut würden, und dann — ja, wenn das möglich wäre! —wenn in Preußen ein Funke von Ehrgeiz, Mut und Auf-schwung aufloderte, allerdings dann könnte aus der FabelDeutschland eine Wahrheit werden, — aber dann hieße jadeutsch sein nicht blind sein, und Elend wäre nicht unserErbtheil,
Was am meisten bei dem ganzen Vorgang empört, dasist zu sehen, auf welche Manier künstlich und diabolisch eineöffentliche Meinung gemacht werden kann, welche gar nichtnaturgemäß aus dem eigenen Wesen des deutschen Volkesentspringt. Das gesammte Ausland, welches dermalen unterdem Glauben lebt, es handle sich bei uns um eine groß-artige spontane Erhebung, um einen lebendigen Ausbruchinnerer Gluthgefühle, möge immerhin in diesem Wahne be-fangen bleiben. Es möge uns dieser Wahn in seinen Augennoch mit einer gewissen Glorie umgeben, denn ein freiwilligerund mit edlem Selbstgefühl zusammenhängender Irrtumgleicht doch von ferne einer Äußerung nationalen Lebens.Aber unter uns dürfen wir nns gestehen, daß der ganzeSturm nur künstlich zusammengeblasen nnd aus den kläg-lichsten Elementen aufgewirbelt ist. Im deutschen Charakterliegt weder der glühende Nationalhaß gegen das Ausland,noch die katholische Bigotterie, noch die Eroberungs- undHerrschsucht über fremde Völker, welche jetzt auf Anordnungder österreichischen Polizei überall in Musik gesetzt und inden Gassen losgelassen werden. Der Deutsche — das ist jabekannt — ist kosmopolitisch, anerkennend und vorurteilsfrei.Die Berserkerwuth, die man ihm jetzt einredet, ist nur mitbornirtem Nationalgesühl vereinbar, von dem er nichts weiß.Aber das ist das Kläglichste in der Weltgeschichte, daß diegroßen Massen nicht einmal selbst die Vorurteile erzeugen,mittelst deren man sie zum gefügigen Spiel- und Werkzeug