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ihrer Herren macht. Nicht die Blutströme sind das Trau-rigste in den Annalen der Menschheit, sondern die vergiftetenQuellen, denen sie entspringen. Wie in den Religionskriegendie Völker von Fürsten und Pfaffen für dogmatische Spitz-findigkeiten fanatisirt wurden, um Hofinteressen, Klostergüterund Landeshoheiten zu verteidigen, so wird jetzt ein anti-französischer und antiitalienischer Rassenhaß eingetrichtert,um Habsburgs Gut mit deutschem Blut und kurhessischeSouveränetät mit einer Intervention in der Lombardei zuverteidigen. Ist doch der ganze Wahnwitz des National-hasses nur ein Vermächtnis der Feudalherrschaft und derUnersättlichkeit adliger Raubritterschaft, welche der Plünde-rung fremder Länder zu lieb das edle Kriegshandwerk er-griff und durch die Konsequenz hundertjährigen Unfugs dasUngetüm der Nationalfeindschaften großgezogen hat. Warder Bauer in der Normandie jemals lüstern nach den Fel-dern seines Unglücksgenossen in der Pfalz, oder träumteder Handwerker in der Lausitz von dem Besitz der Ge-filde am Po und am Tessin? Nein! Aber Monarchenund Raufbolde, welche von Hofhistoriographen zu erhabenenErscheinungen gestempelt worden, schleppten in erbarmungs-loser Unersättlichkeit den Bauernsohn vom Pflug hinweg(wenn sie ihn nicht lieber gradezu für blankes Geld verkauften)und zwangen ihn, sich auf den gleich elenden Bauern einesandern Landes zu werfen, und nachdem das zwangsweisegegenseitige Morden und Plündern zum Ruhm und zur Be-reicherung einiger erlauchten Häuser ehrwürdig historisch ge-worden, ist es auch dahin gekommen, daß die armen Teuselverschiedener Zungen sich einen ewigen Haß nachtragen,welcher jedoch nur dann angefacht wird, wenn es den Inter-essen der Herrschenden dient, die selbst aufgeklärt genug sind,um zu anderen Zeiten mit ihren ausländischen Vettern imherzlichsten Einverständnis zu leben. Um nicht vom glor-reichen Rheinbund zu reden, welche süße Eintracht mit Ruß-