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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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deren Richtungen hin die von den herkömmlichen Gewalt-habereien aufrecht erhaltenen Schranken gefallen sind, undwenn man jenen Satz anführt, um alle sonstigen Neuerungenauszuschließen, dreht man sich daher in einem falschen Zirkel.

Es ist neuerdings ganz besonders Mode geworden, allesBestehende aus dem Gesichtspunkte seines Entstandenseins zubetrachten. Die Hegelsche Geschichtsphilosophie hat zu diesemVerfahren eine fertige Methode geliefert, und, wie alleDialektik, ist sie zweischneidig. Diejenigen, welche sich mitErnst und Innigkeit in ihren bedeutenden geistigen Gehaltvertieften, haben die Kraft der Entwicklung und Befreiungaus ihr gesogen und den fruchtbarsten Samen zur Erweite-rung des Denkens und des Lebens ausgestreut. Diejenigenhingegen, welche sich der äußeren Formenkunst ergaben, habendarin ein bequemes Mittel gefunden, mit erhabenem Seelen-anstand die Rechtfertigung aller überlieferten Fäulnis vorzu-tragen und solche Interessen und Gewalten, welche ihrerganzen Natur nach dem Denken und der Kritik gradezu ent-gegengesetzt sind, nebenher auch noch mit einer wolkigen Ge-lehrtenperrücke aufzustutzen. Auf diese Weise haben die so»genannten Kulturphilosophien eines Rieht und Fröbel unsabgestandene Verhältnisse mit einer Geistreichigkeits-Brüheschmackhaft aufzukochen versucht; aber es gehört wenig Scharf-sinn dazu, hinter der liebreichen Vertiefung in das Bauern-tum, welche jener zur Schau trägt, wie hinter der Begeiste-rung für die auswärtsstrebende Machtentfaltung, welchedieser predigt, die praktische Nutzanwendung herauszulesen.Die inneren Staatsverhältnisse sollen in seliger Ruhe weiterschlummern, und wer den Nutzen davon hätte, das brauchtnicht lange gesucht zu werden. Hat doch der eine dieser er-haltungsbeflissenen Staatsphilosophen uns noch jüngsthin be-lehren wollen, daß es eben so thöricht sei, für die Sündender Regierungen die menschliche Urheberschaft der Macht-haber verantwortlich zu machen, wie wenn man wegen schad-