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lieber Naturereignisse von denselben Rechenschaft fordernwollte. Es wäre allerdings eine zweifach bequeme Lage fürdiejenigen, welche die Fülle der Gewalt und ihre reichenFrüchte kosten, wenn die ausgebeuteten Massen zu allemSchaden auch noch den Spott für ihre UnVollkommenheitallein zu tragen verdienten; und von dieser unterthänigenEhrfurcht bis zu der Predigt, welche in der Kartoffelkrank-heit die gerechte Heimsuchung für die abnehmende Mutter-gottesverehrung erblickt, ist's wirklich nur eiu kleiner Schritt.Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß unsere Staatsphilo-sophen auch noch den kurzen Weg bis in den Schootz derAlleinseligmachenden zurücklegen werden. Das „Alles ver-stehen und darum Alles verzeihen" läßt sich nach doppelterRichtung zur Anwendung bringen, und wenn man schoneinmal Alles verzeiht, kann man gleich auch Alles loben,besonders da, wo das Lob seine Ermunterung und Belohnungso gewiß erwarten darf.
Ist es nuu auch unschwer, die Schleichwissenschaft zuentlarven, welche mit der gelehrten Miene aufgeklärterForschung überlebten Absolutismus und mittelalterliche Be-schränktheiten zu verjüngen strebt, so gibt es für unser —wie oben geschildert — Geiskslüsternes Zeitalter aber auchgefährlichere, weil ehrlicher gemeinte und spontaner erzeugteBernhigungstheorien unter dem Schein der Freude am Fort-schritt. Dahin gehört vor allen Dingen der Glaube an diesich selbst bahnbrechende Macht der Wahrheit, oder wie manes auch nennen hört: der Idee. Das ist abermals so einebillige Zauberformel, mit welcher der gebildete Mensch einenVorwand findet, die Hände in den Schooß zu legen und,wie man sich ausdrückt, seiner Ketten zu spotten. Machtder Wahrheit! ein schönes Wort, aber leider erst noch vonder Erfahrung zu bestätigen. Wir kennen so ein paar tau-send Jahre menschlicher Geschichte, nicht mehr glücklicherWeise für unser armes Gehirn und besonders für unseren