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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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über das mythologische Heidentum hinaus gediehen zu seinund laboriren doch noch an den Vorstellungen einer kind-lichen göttererfüllten Welt, in der jede kathegorische Abstraktionunseres Denkvermögens als buntgekleidete Persönlichkeitherumspringt. Der Eine sieht die Geschichte, der Anderedie Idee, der Dritte die Wahrheit als hochgeschürzte Gestaltleibhaftig über die Weltbühne schreiten; die liberalen Fran-zosen haben denselben Götzendienst für die Revolution inSchwung gebracht. Wo wir ein Buch aufschlagen, wo wireiner Rede horchen, zeigt man uns die eine oder die anderedieser Gestalten als verkörperte Person mit geschäftigenHänden agirend; man explizirt uns ihre ganze Naturgeschichte,die Gesetze ihres Organismus, und baut die weitestgehendenPläne auf die künftige Mitwirkung derselben fabelhaftenWesen. Daß alle diese Visionen im Grunde nichts sind alseine philosophisch aussehende Travestirung für die gute alteMutter Vorsehung ist eben so gewiß, als daß die ihnen samtund sonders zu Grunde liegende pantheistische Anschauungnichts anderes dokumenürt. als den vergeblichen Versuch derLosreißung von der angewohnten Vorstellung göttlicher Per-sönlichkeit und die Rückkehr zu ihr auf dem Umweg einerparabolischen Nebelbahn.

Derjenige aber, dessen menschliche Bescheidenheit es nichtbis zum Stolz der christlichen Demut zu bringen vermag,und der auf jeden, wenn auch noch so ehrfurchtsvollen, Ver-kehr mit allen überirdischen Mächten verzichten muß, derläßt bei Anfassung seiner menschlichen Angelegenheiten nichtblos die biblische Vorsehung, sondern auch alle ihre pan-theistischen Surrogate ungeschoren und rechnet bei seinen Zu-kunftskombinationen nur mit den handgreiflich gegebenenVerhältnissen an Kraft und Willen, höchstens daneben mitden Sätzen einer vorsichtig anzuwendenden Erfahrung.

Also weg mit allen diesen vornehm angethanen Ver-trauensvoten an den guten Geist im Menschentum, an die