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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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diese von vornherein der Ohnmacht, dem eitlen Spiel undschließlich dem Untergang gewidmet. Regierungen und Re-gierte fanden eine Weile hin ihre Rechnung am Weben diesesScheingebildes, weil diese sich selbst und jene ihre Unter»thanen zu beschwichtigen verlangten, aber das wahre Endeder deutschen Erhebung wurde nicht in Stuttgart am letzten,sondern in Frankfurt am ersten Tag der deutschen National-versammlung abgespielt. Ich habe nie auf dem Altare derPaulskirche geopfert, und ich habe daher ein Recht, den wohl-feilen Spott abzuwehren, welchen spät erleuchtete und ermutigteKritiker jetzt über die Männer ergießen, denen das wenig be-neidenswerte Schicksal zugefallen war, den Fehlgriffen undund dem Selbstbetrug der Nation als Spiegelbild zu dienenund unter den Augen Aller ein Jahr lang jenen Tod desElends zu sterben, welchen die deutsche Revolution in derersten Hälfte des achtundvierziger Märzes bereits schnell,aber von den wenigsten bemerkt, gestorben war.

Und sollten erschütternde Weltbegebenheiten je die deut-schen Fürsten wieder dazu vermögen, das scheinbar großeZugeständnis einer gesamt-deutschen Volksvertretung zumachen, so würden im wesentlichen die nämlichen Thorheitenund die nämlichen Ergebnisse zutage kommen. Und darumträgt die heute wieder aufdämmernde Bewegung bereits denKeim des Verderbens im Herzen, weil sie abermals unterdem Gestirn der parlamentarischen Hoffnungen und der par-lamentarischen Traditionen empfangen ist.

Was aber dann? fragst du. Das ist eben der Jammer!Große Thaten, wie die. welche England und Frankreich ,Holland und Nordamerika zur politischen Emanzipation ge-bracht haben, lassen sich nicht vordozieren. Diejenigen Vor-gänge aber, welche zunächst uns wieder aufgerüttelt haben,sind keiner fruchtbaren Anwendung auf unsere Verhältnissefähig, ich meine die italienischen. Wir dürfen an keinenSukkurs von außen denken, wir sind in der trübseligen Lage

Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. III. IS