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einander zu setzen, wie das alles in der dünneren Atmosphärenach dem Nordpol zu nicht so grobkörperlich aufeinanderpoltere und wie der Konflikt dadurch nichts au Wichtigkeitverliere. Ich mochte meine Sache nicht besonders gut ge-macht haben, denu ich sprach eigentlich mehr für die Ehremeines Landes, als aus dem Grunde meiner Überzeugung.„Sie können sagen, was Sie wollen", bemerkte einer derAnwesenden, Herr Grsgoire, Journalist und Republikaner ,„es lassen sich halt Argumente für jegliches Verhalten finden,aber die Art, wie der Mensch sich beträgt, hängt einzig undallein von seinem Temperament ab. Ihr Deutscheu habt inder Politik kein Temperament, und deswegen werdet Ihr so-bald nichts zu Wege bringen. Nichts in der Welt geschiehtmit dem Kopf allein, Eingeweide muß mau haben; Ihr ehrt,lobt, besingt und wünscht die Freiheit, aber", setzte er miteiner heftigen Geberde hinzu: „vous o'g,vs2 xas ä'sQtraillsspour 1a libsrts! Ist I/bsrte auf Deutsch vielleicht männ-lichen Geschlechts?" — Und als ich ihm erwiderte, daß auchfür die Deutschen die Freiheit ein Weib sei — „nuu", sagteer, „so gebe ich noch nicht alle Hoffnung für Euch auf. Ichbegreife", fuhr er fort, „daß in Preußen die Junker wiederobeuauf kommen, sie verdienen es, denn sie sind die einzigeSpezies deutscher Menschen, welche politisches Temperamenthaben. So oft ich lese, daß ein Osfizier irgend einen Bürger-lichen über den Haufeu sticht, wenn er sich über ihn ärgert,erscheint es mir ganz naturgemäß, daß diese Leute herrschen.Sie allein haben ihr politisches Rechts- oder Vorrechtsbewußt-sein in den Knochen, uud sind deswegen berufen, über Eureleidenschaftslose bürgerliche Vernuuft zu befehlen. Ihr mögetim Augenblick noch mehr Gesetzlichkeit und Freiheit habenals wir Franzosen ; Ihr möget sie sogar trotz Eurer Reaktionbehalten, aber wir sind doch besser daran als Ihr, und alleNationen der Erde sind besser daran. Von Indien undChina bis nach Rußland ist im Gruude kein Volk unfreier
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