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daß es sich nur darum handle, zwischen zwei verschiedeneuAnsichten über das gemeinsam begehrte Wahre die richtigeAuslegung zu finden. Mit der zweiten Periode des Be-freiungskampfes hingegen tritt die Sache iu das bedenklicheRevier des Kriminalgebietes, wo keine Täuschung mehr mög-lich ist zwischen Recht und Unrecht, sondern wo es sich darumhandelt, gegen unleugbare Vergewaltigung Abhülfe zu schaffen.Hier hat der Humor ein Ende, denn ein Scherz im Mundedes öffentlichen Anklägers wird zur unerträglichen Frazze.
Hingegen ist nichts begreiflicher und verzeihlicher, alsdaß vordem die Deutschen beim ersten Austritt aus demStande ihrer politischen Unschuld eine unbezwingliche An-wandlung zum Lachen empfanden. Volsnti von üt iirjnrig..So jammervoll die Wirtschaft des achtzehnten Jahrhundertsgewesen, so war sie doch im Großen und Ganzen von deut-scheu Unterthanenseelen als eine selbstverständliche Gottesgabegenossen worden, so daß zur Bosheit wenig Anlaß vorlag.Selbst der wackere Seume behandelt es als eine naturläufigeund humoristische Schicksalstücke, daß er von landgräflichhessischen Werbern gepreßt und nach Amerika vertauft wird.Und bis aus diese Stunde können wir uns trotz allem wohl-begriffenen Zusammenhang zwischen damaliger Komik undheutiger Tragik bei Vergegenwärtigung des urwüchsigen Pa-triarchen- uud Philistertums jener Zeit des Lachens nicht er-wehren. Als die Schlange den Adam aus seinem Paradiesdes Schlaraffentums hinauszuwiegeln unternahm, mußte sieFeuer sprechen, wie ein wilder Demagog, aber um den deut-schen Unterthan aus seinem Stockhaus zu locken, dazu be-dürfte es vorab nur des Teufels, der Humor treibt. Esgalt ja auch nicht entfernt der Politik, sondern der ganzenunerschöpflichen Kleinlebigkeit, welche aus den erbärmlichenDimensionen des Landesfürstentums aufgewuchert war. DieSelbstenthüllung des Philistertums in dieser Form, zwargutartigen, aber durchaus nicht arglosen Humors, war Haupt-