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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
273
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sächlich das Werk Jean Pauls . Er hatte gerade so viel Zopf,als unentbehrlich war, um mit tiefer Sachkenntnis den Zopf-spiegel zu schreiben, und so viel Milch im Blute, als nötigwar, um die beigegebene Dosis Galle mundgerecht zu machen.Als seine Leser mit ihm ausgelacht hatten, blieb ihnen aufeinmal doch das Gesicht in ernsten Falten stehen, und ausseinem wie jedem echten Humor schälte sich der Kern bitternErnstes im Gemüte heraus.

Es ist nichts Bedeutungsloses, daß Ludwig Borne eswar, welcher die weihevolle Rede bei Jean Pauls Tode hielt.Unerachtet ganz augenfälliger Verschiedenartigkeit zieht sichein Band der Verwandtschaft von Einem zum Anderen, undManches, das wie ein unterscheidendes Merkmal Beide voneinander zu trennen scheint, ist in Wahrheit nur dieselbe Sub-stanz, auf andere nachrückende Zeitumstände und Lebens-bedürfnisse angewendet. Diejenigen, welche mit der Sphäre,aus welcher Borne zunächst hervorgegangen ist, eng vertrautsind, werden es schon an sich leicht zugeben, daß der, injener Sphäre liebreich gewürdigte, ältere Humorist auf denjüngeren nicht ohne mächtigen Eindruck gebliebeu sein konnte;die ferner Stehenden wird ein vergleichender Blick auf dieSchreibweise beider Autoren zur Bestätigung des Zusammen-hangs hinleiten. Nur daß ein anderes Schauspiel andereFormen, ein anderer Zweck andere Mittel und ein andererBeruf eine andere Individualität verlangten. Wenn JeanPaul übrigens den Hausphilister vor Augen hatte, dessenSchlafrock jede Anwandlung zur Herausforderung auf dieStraße des öffentlichen Lebens von vorn herein abschnitt, soreichte Börne noch nahe genug au den Beginn des Jahr-hunderts zurück, um hie und da auf dem Gebiete der blossozialen Karrikatur mit seinem Vorgänger zusammenzutreffen.In der Hauptsache immerhin bezeichnet er die weitergedieheneRichtung, Dank welcher der Deutsche allmälig den Alles ein-zehrenden Privatmenschen auszieht und sich zur Nachahmung

Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. III. 13