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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Entschuldigung in dem objektiven Thatbestand wahrhafterLächerlichkeit vorliegt, und daß es niemandem verargt wer-den könnte, wenn er sich von der Komik auch anderer alsmecklenburgischer oder detmolder Zustände bewältigen ließe,wären wir nicht eben in dem Fall jenes Vaters, der beiden Geckenstreichen seines Sohnes ausrief:Ich möchte auchmitlachen, wenn der Narr nicht mein wäre!" Minder nach-denklich als jener Vater benutzen wir unsere dialektischeBehendigkeit, um aus jeder Verlegenheit schnellmöglichstzum überwundenen Standpunkt vorzudringen, indem wirdas höchst unüberwundene Reich der Thatsachen verächtlichzu unseren Füßen zurücklassen. Es ist daher ebenso sehrzu begreifen als zu beklagen, daß eine Nation, die 1848unter den Auspizien von dreißig unerschütterten LandesherrenEinheitsstatuten in olympischer Ruhe debattierte, gleichzeitigdes göttlichen Humors über die Gegner sich nicht ersättigenkonnte. Die gnte Laune, welche in jener unseligen Zeitauf allen linken Seiten und besonders in Frankfurt amMain regierte, ist nicht zu vernachlässigen, wo es sich umdie Erklärung des historischen Verlaufs der Dinge handelt,zumal an dem übermäßigen Zug der Nation zum Bechernund Musizieren die Neiguag zum politischen Frohsinn einengeborenen Verbündeten besitzt. Wenn aber unleugbar ist,daß in München das beste Bier und in Wien die besteMusik gemacht wird, so dürfte es vielleicht weder alstrockene Griesgrämigkeit, noch als beschränkte Bußpredigereiausgelegt werden, wenn Einer vor der ungeheuren Heiter-keit zu warnen unternimmt, mit welcher Deutschland sichdie Witze über seine Zaunkönige und Staatshämon'hoidarienzuruft. Es ist am Ende auch nicht so ganz ohne, daß derKladderadatsch selbst in der schlechtesten Manteuffelschen Zeit(wie man vor zwei Jahren sagte) so unangefochten fort-blühen dürfte. Brave Anekdotensammler haben der Nach-welt die Seelengröße des Fürsten zur Bewunderung auf-