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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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bewahrt, der ein zu hoch angeheftetes Pasquill tiefer herab-kleben ließ. Sie haben damit mehr Naivetät verraten, alsder Held ihrer Erzählung. Allerdings ist auch der Spotteine Waffe, aber mehr als viele andere eine zweischneidige.Daher gehört er, wie alle gefährlichen Instrumente, nur indie Hand des Starken und Gewitzigten. Es steht z. B. fest,daß die Autorität der französischen Julidynastie ebenso sehrdurch die konsequente Satire ihrer Verfolger, als durch dieIndignation der Massen untergraben worden ist. LudwigPhilipp ist vielleicht von allen je gelebt habenden Regentenderjenige, welcher am meisten das Beispiel einer unter denStreichen der Ironie gefällten Macht darbietet. Es würdeuns zu weit führen, nachzuweisen, inwiefern seine eigenePersönlichkeit und sein System diese Taktik seiner Gegnerprovozierten. Was uns hier allein interessirt, ist die Fragenach dem wechselseitigen Verhältnis beider Parteien, inso-fern es diese Angriffsweise zunächst rechtfertigte. Hier ebenbegegnen wir jenem zureichenden Grunde, den wir oben be-tont haben: dem Gleichmatz der Kräfte. Der König stand,seinem Ursprung, wie der Gesetzes- und Sitten-Verfassungdes Landes nach, dem Volke und insbesondere der Bourgeoisieals eine paritätische Macht, wenn nicht als eine unter-geordnete gegenüber, und in dem Maße, als es dem Lach-chor der Opposition gelang, ihn auf dem geneigten Plangewissermaßen bei den Füßen herabzuziehen, stand es derOpposition auch an, im Vorgefühl ihres Triumphes denschrillen Ton der Satire anzustimmen. Einem Volke hin-gegen, welches z. B. in der Person seiner kurhessischen Lands-leute seit hundert Jahren ausgewuchert und ausgepeitschtwird, ohne nur sichtbar vom Fleck zu kommen, gereicht esweder zu Ehre« noch zu Fromme», wenn es sich über diekomischen Abenteuer des Kasseler Hofes amüsiert oder wennes seinen ohnmächtigen Witz amdappern Landsoldaten"ausläßt. Das naheliegende Argument von der natürlichen