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Taktik eines Mutwillens, der seinen Widersacher verächtlichmacht, indem er höhnend dessen Schwächen entblößt, fälltbei derartiger Bewandtnis vor dem Bedenken der noch ge-fährlicheren Selbsttäuschung durch den angenehmen Kitzeldes Humors, denn letztere ist im gegebenen Falle innig ver-wandt mit seinem anderen Extreme: dem hohlen Pathos.Die feierliche Phrase, wie der launige Ton sind falsche Vor-spiegelungen gegenüber der demütigenden Natur der Situa-tion, und beiden ergeben wir uns nur allzu leicht. Wiegreifbar zeigt sich z. B. die Konsequenz dieser falschen Rich-tung an jener stehenden Figur, welche zur Hauptperson desgeistreichsten aller Witzblätter ausgebildet worden ist. All-wöchentlich weiß die Virtuosität des „Kladderadatsch" denlachbegierigen Deutschen seinen napoleonischen Polichinellmit neuen und posfirlicheu Sprüngen zu exhibieren, nndDeutschland ergötzt sich, als hätte es nicht ganz andere,interessantere und empfehlenswertere Gegenstände seinesgrimmigen Humors unter den Augen. Letzteren wird da-durch der unschätzbare Dienst einer heilsamen Schärfeablei-tung nach dem entfernten Seinestrande geleistet, gerade sogut wie mit den weiland Rhein - und Rabenliedern derservilen Teutomanen. Wollte mau bedenken, daß in Er-mangelung eines deutschen Garibaldi oder eines deutschen Cavour selbst ein deutscher Napoleon, uud wäre es nur einIII., noch eine ganz willkommene Gabe sein möchte, sowürde die Oberflächlichkeit dieser heiteren Anwandlung nichtdie Probe einer Minute aushalten. Es gereicht den Autorendes „Kladderadatsch" zum Ruhm, sämtlichen europäischenHumoristen, die des „Punch" nicht ausgenommen, überlegenzu sein; aber es ist eine sehr zweifelhafte Ehre für eineNation, zu den gelungenen Typen der Schulze uud Müllerinspiriert zu haben, deren wohlbeleibter Persifflage sehrdeutlich anzusehen ist, wie leicht sie sich bei ihrer „kühlenBlonden" über die Schäden des heiligen römischen Reichs