— 282 —
trösten. Und es verrät bei allem inneren Verfall der Nach-barn doch eine größere Reife, wenn der „Charivari", seitdemer seine Laune an den Kaisern von China und Marrokkooder an den Königen der Börse auszulassen angewiesen ist,beinahe nicht mehr gelesen und nur noch mehr gesudelt alsgeschrieben wird. Freilich will die Natur einmal, daß derMensch auch lache; es gehört zu seiner Verdauung; dieantike Physiologie behauptet sogar, das allein zeichne ihnvor dem Tiere aus. Und wo die Natur so gebieterisch ver.langt, verbindet sie auch einen ökonomischen Zweck mit ihrenTrieben. Aber wenn der Scherz nicht ohne Nutzen, so istder Ernst doch aller Schäden frei und deshalb ganz andersfruchtbar. Trotz der unsterblichen Verdienste Voltaires istes unzweifelhaft, daß die große That des achtzehnten Jahr-hunderts seinem Nebenbuhler Jean Jacques ungleich höherverpflichtet ist. Die Helden der Revolution leiten ihrenStammbaum direkt von Rousseau ab, während die gesättig-ten Existenzen des Empire, die Fvuches und Talleyrands mitder ganzen aufgeklärten Sippschaft der Werkzeuge allerDespotien bis auf Gentz und seine heutigen Epigonen herabsich mit Recht oder Unrecht zu Voltaires Religion bekannthaben.
Ertrüge es die menschliche Natur, so frommte dem gutenEndzweck unstreitig allein ein unveränderlicher heiliger Ernst.Ertrüge es der gute Endzweck, so wäre der menschlichenNatur der ewig heitere Ton siegeszuversichtlicher Wahrheit zugönnen.
Jenes Zramrm sa-lis, jenes Körnchen Salz, auf dessenmehr oder weniger es ankommt, ob die Sache gerät odernicht, ist der geschickten Hand allein anvertraut; es läßt sichnicht in Maximen bringen. Aber wenn auch die Welt derendlichen Dinge von der Quantität regiert wird, so hebtdoch die Erkenntnis von allgemeinen Wahrheiten an unddie sittliche That von Grundsätzen.