— 284 —
dener Liebes- und Vertrauenserklärungen eine besondere Ge-schicklichkeit hineinlegen. Wie angedeutet, wirkt das BeispielEnglands vornehmlich ansteckend auch in diesem Punkte aufAlle, die in Deutschland im engeren oder weiteren Sinne zurmonarchisch liberalen Partei gehören. Nur da. wo man sichauf beiden Seiten eingestandener Maßen darüber klar ist,daß in den Wendungen der Courtoisie nur Zehntels-Wahr-heiten enthalten sind, finden diese ihren richtigen Platz. Wennein Spanier nach Böhmen käme und dem ersten besten Be-wunderer seiner Uhr oder seines Pferdes mit seinem kasti-lianischen „s, la äisposioioa äg usw" antwortete, sowürde er bald merken, daß seine Höflichkeit zu wörtlich ver-standen werde; und gleiche Gefahr hat es mit der Verschwen-dung der Unterwürfigkeits- und Bewnnderungs-Deklarationen,welche von vielen unserer aufgeklärtesten Politiker als zumgewandten Tone unentbehrlich angesehen werden. Wir ver-langen von Niemandem, daß er mittelst greller Verletzungherkömmlicher Formen bei dem Gegner, mit dem er, wennauch nur als solchem, zusammenzuleben gezwungen ist. über-mäßiges Ärgernis errege, oder daß er durch studierte Um-gehung von Gebräuchen diesen einen Sinn wiedergebe, denihnen die Zeit allmälig ganz entzogen hat. Allein es istebenso falsch, unzweckmäßig und unwürdig, wenn Männer,in denen durch Intelligenz, Wirksamkeit und Stellung derGeist der Freiheit und Vorurteilslosigkeit für das Land ver-verkörpert ist, mit einer Art von Eifer, um nicht zu sagenvon Affektation, sich überall beigesellen, wo, sei es bei trau-rigen, sei es bei freudigen Anlässen, bei Attentaten oderKrönungen, der alte niederträchtige Bedientengeist gewisserKlassen sich mit Wonne im Kote orientalischer Fürsten-anbetung wälzt. Das Ding ist bei uns auf jener kritischenScheidelinie der Entwicklung angekommen, wo es nicht mehrdie Entschuldigung der gutmütigen Naivetät und doch nochnicht die Entschuldigung der offen anerkannten Bedeutungs-