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Weihrauchfaß mit unserm Beirat entgegen zu bringen, alswir gewärtig sein können, daß ihm ein Bündnis höchst ent-behrlich erscheinen wird, welches er schon stolz verschmähte,noch ehe die Entscheidung für ihn gefallen war.
Noch weniger als mit dieser Art von unbelohntem Ver-söhnungseifer, haben wir hier zu thun mit der Zunft derRealpolitiker, welche den altherkömmlichen naiven Servilis-mus des Professorentums in ein regelrechtes, aber temperirtesSystem gebracht hat. Der Royalismus und Loyalismusimserer jüngsten historischen Schule wirkt vielleicht entnervendauf manchen guten Geist in der studierenden Jngend; ermag die Demokratie oder, wie er nach Vorgang der schwarzenKommission lieber sagt, die Demagogie mit seinem vornehmenUnwillen verfolgen, immerhin ist er nicht geeignet, in dieMasse der Gebildeten einzudringen, wie sein Vorgänger, derRotteck-Welcker-Dahlmannische Liberalismus. Auch hat esvorerst keine Not, daß das deutsche Volk an einem Ebenbilde derLieblinge dieser Schnle, Cäsar und Mirabeau zu Grunde gehe.
Also weder nach dem Beispiel unberufener Verbündeter(wer ungerufen zur Arbeit kommt, geht unbedankt davon),noch nach dem Beispiel der für Macht und Zucht schwär-menden Historiker treten wir an das Reich der vollendetenThatsache heran. So wenig wir uns scheuen, so wenig thunwir uns daraus zu gut, daß wir das Faktum als solchesanerkennen. Legitimismus zu machen, indem man die Augenvor handgreiflichen Thatsachen verschließt, ist vom demo-kratischen Standpunkt noch lächerlicher, als vom royalistischen.Wenn ihrer Zeit Nikolaus oder der Herzog von Modena das Julikönigtum als nicht existirend betrachteten, oder wenndas Faubourg St. Germain den Herzog von Bordeaux alsKönig von Frankreich behandelte, so waren sie kaum sokomisch, als die französischen Republikaner, welche von Na-poleon III. mit es Uonsiöur sprechen, oder Deutsche , welchedas Regiment Bismarck mit Ironie zu beseitigenMauben.