Zwischen der Wegleugnung des Geschehenden und der Lakaien-philosophie, die alles Geschehende vernünftig und ehrwürdigfindet, liegt ein ganzer Weltraum. Wie sehr übrigens dieDemokratie selbst sich auf den Standpunkt stellt, dem Reichder unumstößlichen Wirklichkeit sein Recht einzuräumen, dasgeht unter Anderm daraus hervor, daß sie die Erwartungeiner politischen Amnestie ausspricht. Welchen vernünftigenGedanken kann sie dabei der Regierung unterlegen, wennnicht die Voraussetzung, daß die Rückkehrenden die Entschei-dung der Thatsache als maßgebend für den vorausgegangenenKampf anerkennen und sich einverstanden erklären, auf demBoden des neuen Gesetzes ihre Sache auszufechten? Werdie vollendete Thatsache nicht anerkennen will, muß konse-quent, wie Viktor Hugo und Louis Blanc , verschmähen, voneiner Amnestie Gebrauch zu machen.
Wo liegt endlich das Problematische in der Nutz-anwendung aus der vollendeten Thatsache, wenn es wederderen servile Vergötterung noch deren verblendete Ableugnunggilt? Das Problem liegt in der Würdigung der Prinzipien,welche den Gehalt der Thatsachen ausmachen, in der Schei-dung dessen, was wir nicht umhin können aus diesem Ge-halt uns anzueignen, und dessen, was wir, unbestochen vonallem Erfolg, immerdar abzuweisen haben, als ewig Unzu-lässiges und Verwerfliches.
Hier treffen wir vor Allem auf den Götzendienst, derjetzt wieder mit dem Krieg getrieben wird, als gäbe es keinhöheres Handwerk, kein kostbareres Werkzeug. Daß Menschen-glück und Menschenleben der einzige Staatszweck sei, derKrieg aber schnurstracks das Gegenteil, wird da im sinn-verwirrenden Rausch blendender Schauspiele vergessen —eine Erziehungserbschaft der guten Zeit, da die Völker-geschichte nach Schlachten und Hoffesten rechnete. DerMensch, sollte man glauben, sei nur etwas wert, wofem erim Soldatenrock auftritt und mit der Schärfe des Schwertes