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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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regiert worden war. Man wirft uns ein, der leitende Ge-danke habe mit Elementen zu rechnen gehabt, welche nocheher fürs Blutvergießen, als für moralische Eroberungen zugewinnen gewesen. Um so schlimmer, wenn dem so ist!

Der Haß zwischen Süd- und Norddeutschen ist einekable oouvsous. Er ist zunächst die Erfindung der Menschen-sorte, deren Nahrungszweig im Staate Haß und Zwietrachtsind: Parteigänger, Überläufer, Zeloten aller Art. Ist dochder bösartige Wahnwitz so weit getrieben worden, daß derpreußischen Regierung die Notwendigkeit vordemonstrirt wird,ihre Mainlinie mit einer dichten Reihe starker Grenzfestungengegen die Einfälle der Türken oder Rothäute aus Baden ,Württemberg und Bayern zu decken. Ein neuer Pfahl-graben soll quer durch Deutschland gehen als ewiger Pfahlin seinem Fleisch!

Wenn im Felde Hohe und Niedere gleiche Lorbeerengeerntet haben, so hat im feindlichen Quartier vor Allender Soldat die deutsche Ehre gerettet. Das Glorreichste,was die preußische Armee aus diesem Feldzuge heimbringt,ist das Zeugnis der gesitteten Aufführung, welches dem ge-meinen Manne nachfolgt.

Nichtsdestoweniger hat die Erfahrung abermals gelehrt,daß eine gute Kriegsverfassung über die ganze Ergeben-heit ihrer Soldaten verfügt, unabhängig von deren An- undEinsicht. Darum ist es nur um so notwendiger, daß eineso zweischneidige Exekutive nicht mit ihrer Wurzel auf einemandern Boden stehe, als auf dem des Volkswillens. Dieunvermeidliche Ergänzung der Jndemnitätsbill wäre einenergisches Gesetz über Ministerverantwortlichkeit und fernereine authentische Auslegung zur Entkräftung des bekanntenvom Obertribuual ergangenen Urteils.

Dagegen ist notwendiger Weise aus dem unwiderruflichGeschehenen vor Allem festzuhalten: der allseitige Anschlußan den preußischen Staat bis zur Verschmelzung inklusive.