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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Nach dem Erlebten gibt es nun hoffentlich keine monarchischenFöderalisten mehr, die da glauben, einen deutschen Bundes-einheitsstaat aus dreißig legitimen Fürsten und oberstenKriegsherren zu Einem Willen und Einer Aktion aufzu-bauen.

Wer jetzt noch für ein selbständiges süddeutsches Staaten-system arbeiten will, der arbeitet für die Zurückführimg derHabsburger und des Dualismus in Deutschland . Das mögesich nicht blos der schwäbische Partikularismus, sondern vorAllem die preußische Regierungspolitik gesagt sein lassen.Ein selbständiges System süddeutscher Fürstentümer ist gleich-bedeutend mit der Streichnng des ersten und Hauptartikelsder Nikolsburger Präliminarien, der da lautet: AustrittÄsterreichs aus Deutschland . Darum reibe man sich nicht inBerlin die Hände bei dem Gedanken, Süddeutschland durcheine nordische Kontinentalsperre auszuhungern. Hier übrigenstritt die Aufgabe der preußischen Regierung zurück hinter dieAufgabe des deutschen Volkes. Hier gilt es, sich zu regenohne Ende. Wenn auch in dem Friedensinstrument die viel-gefürchtete Mainlinie steht, so ist doch der Fluch dieses Ge-dankens entkräftet durch das Hinausdrängen Östreichs. EinUnglück war die Mainlinie nur, wenn sie die Grenze wardzwischen Preußen und Östreich. Ein Unglück würde siewieder, wenn mittelst Herstellung eines scheinbar selbständigendynastischen Süddeutschlands Habsburg Zeit und Wege fände,bis an den Main zurückzukommen.

Die Furcht, daß Deutschland in Preußen untergehenkönne, wenn Preußen Deutschland erobert, ist einer großenNation mit tausendjähriger Kultur unwürdig. Wenn Preußen uns fängt, so mag es rufen, wie jener Soldat von der Reichs-armee:Ich habe einen Gefangenen, er läßt mich aber nichtlos." Wird auch Frankfurt preußisch, so wird es doch nichtkünstig heißen, der Faust sei die größte preußische Dichtung,