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gehen, fehlt es nicht an abschreckenden Exempeln. Nicht doch!nicht doch! so ist es nicht gemeint; und wenn die gutenFreunde nur ein Scherflein jener Gerechtigkeit, so sie für dieLeitung der Welthändel in Anspruch nehmen, für unsern Ge-dankengang übrig hätten, so würden sie uns nicht unbarm-herzig in den Pfuhl der praktischen Verlorenheit hinabstoßen.Noch wissen wir so gut wie sie, daß die bescheiden thuendeEntsagung, welche da spricht: „man muß die Menschen nehmen,wie sie sind; schlechte Welt, schlechte Zustände", daß die nichtsist. als seichte, satte Frivolität, und daß der letzte Vers ihrerdemütigen Bibelweisheit lautet: „Nrmäus voll- äsoipi". Nochwissen wir. daß es kein Heil gibt ohne Wissen, kein Wissenohne Gesetz; und mehr als je sind wir überzeugt, daß essich nicht um prinzipielle Verleugnung irgend eines heiligenGlaubensartikels handelt. Von thatsächlicher Aufopferungfreiheitlicher Güter kann ja nicht die Rede sein, da wirderen leider keine zu verlieren hatten.
War schon vor dem letzten Umschwung der Dinge es soschwer, sich zu verständigen, wer dürfte jetzt sich beklagen, inder vielfachen Stimmen Gewirr nicht mit Geduld vernommenzu werden? Es gehört nun einmal zur Oekonomie der Natur,daß ein guter KämPe ein unbarmherziger sei, und wer nichtwill mißverstanden werden, der thut besser, er bleibt daheim...Aber darum sei wenigstens einem Jeden vergönnt, mit gleichenWaffen, an seiner Ehre ungekränkt, für seinen gnten Glaubenzu fechten. Wer jedoch wäre strenger verpflichtet, durch billigesAnhören werkthätige Gedankenfreiheit zu üben, als die, welcheder brutalen Gewalt noch eben den lautesten Fluch nach-schleudern?
Verlassen wir auf einen Augenblick den Kampfplatz derheimischen Erde und versuchen wir, ob die unbefangene Be-trachtung eines fremden Streits uns nicht Gelegenheit gibt,eine nützliche Rückanwendung zu machen. Es besteht nuneinmal eine so aufdringliche Ähnlichkeit zwischen dem Gang