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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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der italischen Dinge und dem der unsrigen, daß kein Stolzsich dieser Wahrnehmung entziehen kann. Vielleicht findensich diesseits wie jenseits der Alpen noch Unerschütterliche,welche behaupten: die Befreiung des Landes von den Österreichernund Bourbonen sei ein Unglück, wenn auch nur deshalb, weilsie durch die französischen Bajonette vollbracht worden, undbesser wäre der Halbinsel, sie stünde noch heute unter Bomba,Maximilian und Antonelli, geduldig harrend auf eine regel-rechte Revolution, als daß es so gekommen sei, wie es ge-kommen ist. Es gibt Mazzinisten vom reinsten Wasser,welche so urteilen, obwohl vielleicht Mazzini selbst nicht soweit geht. Aber unter den freisinnigen Deutschen ist, so fernes die Beurteilung der italischen Dinge gilt, dieser äußersteFormalismus ohne Zweifel ganz gering vertreten. Nunhaben wir oft Piemont um seinen Cavour und VictorEmanuel beneidet und es glücklich gepriesen, daß es imNamen der italischen Nationalität und Freiheit unternehmenkonnte, was anderwärts unter Anrufung ganz anderer Güterbereitet worden ist. Aber wer von uns möchte um den Preisfranzösischer Beihilfe mit Jenen tauschen? Und wenn es fürItalien noch immer ein Gewinn war, im Namen der Frei-heit durch den Selbstherrscher der Franzosen zur Einheit ge-kommen zu sein, wäre der Gewinn für Deutschland nichtgrößer, im Namen von was es immer sei, durch eine deutscheHeeresmacht, geführt zur Not sogar von einem unumschränktenKönig, zur Einheit zu gelangen?

Doch nehmen wir die Sache noch näher und faßlicherins Auge. Eben jetzt, in diesem Moment, existirt in Italien eine Partei der Unerbittlichen, welche nicht ihre Einwilligungdazu geben mag. daß Venetien auf eine andere Manier vonÖsterreich befreit und mit Italien vereinigt werde, als nachihrem Rezept der orthodoxen Revolution. Sie schlagen vor,man solle Venetien nicht annehmen, sondern mit Österreich undFrankreich zugleich Krieg führen, bis daß Florenz oder viel-

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