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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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mehr Rom allein. Dank seinen eigenen Siegen, jenen dieGesetze diktieren könne. Wären wir nun im Irrtum, anzu-nehmen, daß dies Gebühren, welches keine Narrheit ist, alleineiner Narrheit bedenklich ähnelt, von den wenigsten unsererdeutschen orthodoxen Freunde gut geheißen wird? Und dochist die Analogie vollkommen. Es stände schöner um dieGegenwart und sorgenfreier um die Zukunft, wenn Cialdinibei Custozza und Persano bei Lissa die Schlachten deritalischen Großjährigkeit geschlagen hätten; aber würden da-rum unsere grimmigsten Preußenfeinde dem Parlament vonFlorenz raten, mit dem Schicksal schmollend, Venetien wiederan den Erzherzog zurückzuweisen?

So und nicht anders liegen die Sachen in Deutschland ebenfalls, nur daß in eigenen Angelegenheiten das Urteil sichverwirrt durch die unmittelbare Nähe der Empfindung. Wäh-rend es uns schier komisch dünken wollte, daß nach ihrenNiederlagen zu Wasser und zu Lande die Italiener ob derSchändlichkeit der Vorenthaltung Tirols Zeter schrieen, riefensie uns über die Alpen herüber zu: sie begriffen nicht, wiewir für den großen Dienst der preußischen Leistung blindsein könnten. Und so wird es immer sein in der Welt.

Es lohnt wohl einmal der Mühe zu untersuchen, weram Ende der Freiheit treuer ergeben sei: die Demokratie,welche jetzt in Sack- und Asche geht, oder die, welche desGlaubens lebt, daß das Geschehene zu gedeihlicher Wendungführen könne? Es lohnt wohl der Mühe zu fragen, ob die,welche einen Erfolg gewahren, auch da, wo er gegen ihrenRat und gegen ihr Ansehen durchgegangen ist, nicht freierund selbstloser einer guten Sache zugethan sind, als die,welche selbst triumphiren müssen, um sich zu freuen? Eslohnt wohl der Mühe zu fragen, ob der Glaube lebendigerund mächtiger sei in denen, welche sich nicht trösten können,weil die Garde siegestrunken in Berlin einzieht, oder indenen, welche auf eine Entwicklung bauen, die im Laus der