Ob wir so niedrig angelegt sind, daß unsere besten Kräftezu leidigen Thätigkeiten verwendet werden müssen, oder obwir so glücklich sind, in die Lösung der schwierigsten Auf-gaben auch die Blütenentfaltung des Daseins legen zukönnen?
Kein philosophisches Turnier wird diese Frage entscheiden.Der Gang der Weltgeschichte allein wird sie beantworten.Der Reihe nach sind Altertum und Christentum, lateinischeund germanische Nassen, die Parteien der großen französischenStaatsumwälzung und die Vorkämpfer sozialistischer Lehrenin die Schranken eingetreten. Wer wollte sich vermessen,den Ausgang voraus zu verkünden? Einstweilen aber gibtes noch Arbeit vollauf, um das unbestreitbar Gute und dasgemeinsam Unentbehrliche aus beiden Lebensanschauungenzu Ehren zu bringen. Seid Ihr nicht für die Einheit inunserem Sinne, so sind wir doch im entferntesten nicht gegendie Freiheit in Eurem Sinne. Hätten die Ereignisse einedeutsche Föderativrepublik gebracht, wir hätten sie herzlichwillkommen geheißen und schwerlich verlangt, daß Ihr denFührer der preußischen Politik zum Präsidenten machtet.Nimmermehr glanben wir, daß sie jetzt in München nndStuttgart Fuß fassen und von da über den Main hinauf-rückeu werde. Daß Etwelche mit einer Frontenwendung aufdem Schlachtfeld aus deutschen Vaterlands begeisterten schweizerHinterländer zu werden verlangen, das haben wir wohlmanchmal sagen hören, Halten's aber für Anfälle tollen Hu-mors. Und also denn, da Ihr uns dermalen thatsächlichgar nichts Besseres zu bieten habt, so lasset dem Anfangder Einheit, wie schlecht Ihr ihn immer haltet, seinen Spiel-raum und gönnt ihn: den Versuch, sich einen Platz an derSonne zu verdienen. Sagt Ihr, der Norden werde nichtsein Juukertum überwinden, so fragen wir: Hat denn bisjetzt der Süden sein Perrücken-Despotentum überwunden?Der preußische Verfaffungskampf ist achtzehn Jahre jünger