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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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als der süddeutsche; er hat es bei viel stärkeren Gegnernund größeren natürlichen Schwierigkeiten immerhin noch etwasweiter gebracht, als die süddeutschen Verfassungskämpfe. Wodie an harte Fürstenköpfe stießen, da gingen sie spurlos unter,und ihre Siege, da wo gutmütige Laune sie gewähren ließ,hatten keinen stofflichen Wert. Vom Freiheitsabschwören istnirgends die Rede, noch weniger vom Hosiannasingen zumGott der Heerschaaren; die preußischen Volksvertreter habennur gethan, was sie nicht lassen konnten, und die Notwendig-keit, der sie gehorchten, war nicht ihr Werk, sondern das Werkdes ganzen Volkes. Wie wir das verstehen, das soll einfolgendes Kapitel erklären.

III.

Die Preußische Gammer.

Die Klagen der Volkspartei über die preußische Kammerstammen nicht von heute und nicht von gestern. Man hatihr Mangel an Kühnheit und Entschiedenheit vorgeworfenAnd dafür gehalten, sie hätte dem Geschick der Nation einebessere Wendung geben können. Nennen wir gleich das Kindbeim Namen: das letzte Wort der Mißbilligung lautete, dieKammer hätte aus der passiven Verneinung zur aktivenSteuerverweigenmg schreiten sollen. In der That wäre diesdie einzige Manier gewesen, den Konflikt aus der theoretischenSackgasse auf den Weg der Praxis zu bringen. Wenn mannun zur Not behaupten könnte, daß eine Volksvertretungnicht blos auf der Höhe der Volksgesinnung stehen, sondernals ein treibendes Element ein Mehreres von Rührigkeit