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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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leuchtung der fremden Höfe, sondern ganz handgreiflich zurEntschuldigung vor der eigenen Nation bestimmt ist. Dienapoleonische Regierung begütigt das französische Volk, da-mit es ihr die friedliche Haltung nachsehe; sie bittet umVerzeihung, wenn sie nicht um der Rheingrenze willen eineneuropäischen Krieg entzündet habe! Ist das die Nation,welche dem Redner von Bordeaux so oft vorgeworfen, daßer sein kaiserliches Friedens-Programm nicht eingehaltenhabe? Ist das die Bürgerschaft, welche, halb aufgeklärt,halb ernüchtert durch den Industrie- und Finanz-Geist derNeuzeit, mit ihrer alten Herzhaftigkeit auch das Recht auf ihrealten Thorheiten verloren zu haben schien ? Wie ? Die liberalePresse verlangt nach Pulverdampf, und ein Bonapartenötigt ihr humane Einsicht auf.

In der That, es ist so. und es ist nicht das einzigebeschämende Erlebnis dieser Tage. Die neuen Zuständehaben in Frankreich ebenso merkwürdige Verschiebungen ansLicht gerufen, wie in Deutschland . Die Leute vomSiecle",welche stets Waterloo im Mund und die Trikolore in derFaust führten, werben für Deutschland , und die Leute vomTemps ", welche sowohl allen nationalen Vorurteilen, wie demMilitarismus entgegenwirkten, welche englisches Selfgoverne-ment und deutsche Geistesfreiheit in Frankreich einzubürgernübernommen hatten, Hetzen jetzt mit der unermüdlichsten Er-bitterung zum Angriff aus unsere Grenzen.

Gänzlich erloschen war allerdings die geheime Lust nachder Rheingrenze niemals in der Nation. Zwei erbliche Ge-brechen, die geographische Unklarheit und die leichtfertigeSelbstgenügsamkeit, unterhielten im Stillen den Glauben,daß die Deutschen am Rhein doch noch so eine Art Fran-zosen (zweiter Klasse) seien und sich auch glücklich fühlenwürden, wieder eindepartementiert zu werden. Manweiß, wie unsre Landsleute in jenen Grenzgebieten eine Zeitlang dazu beitrugen, diesen Wahn zu fördern. Allerhand