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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Pariser Gelehrsamkeit, welche auch heute wieder zu Marktekommt, beschaffte ethnographische Studien, aus denen einripuarisches, stark gallisch gefärbtes Frankenland im Rhein-thal hergestellt ward. Theophile Lavall^e, der Professor derGeschichte an der polytechnischen Schule, war und ist derHauptverkünder dieser Lehre. Henri Martin , ein durchKenntnisse, Gesinnung und Charakter hochstehender, nachjeder Richtung hin sehr achtungswerter Gelehrter, doch nichtfrei von einem gewissen nationalen Mystizismus, hat seitden jüngsten Ereignissen seine Stimme in einem ähnlichenSinne vernehmen lassen, wenn auch nicht um zu annektiren,doch um einen selbständigen Rheinstaat zu befürworten,jenen Rheinstaat, für w.elchen alle unsere Gegner draußenund alle unsere Narren daheim schwärmen.

Immerhin hatte sich seit den letzten zehn Jahren dieseDenkweise schon bedeutend modifiziert. Die stets wieder-kehrenden Kriege in der Krim, in Italien, in Mexiko hattenden Sinn für eine nüchterne friedliche Entscheidung um somehr gefördert, als die Feldzüge gegen Rußland und Juarezsehr viel zu wünschen übrig gelassen. Das gesinnungsloseBürgertum wollte Ruhe und Sparsamkeit; alle Art vonOpposition war von selbst darauf hingewiesen, nicht dieArmee mit dem Kaisertum durch Ruhm und Einfluß zuverketten. Endlich, und das verdient ganz besondere Be-achtung, war deutsche Bildung zu stets wachsendem Ansehenin Frankreich gelangt. In ruhigeren Zeiten wird es ein-mal der Mühe lohnen, die Geschichte der deutschen Bildungin Frankreich während der letzten zehn Jahre, mit That-sachen belegt, zu schreiben. Neben der Aufzählung derdeutschen Bücher, welche in diesem Zeitraume ins Französischeübersetzt worden sind, und der noch unendlich viel größerenZahl derjenigen, welche in der französischen Presse be-sprochen wurden, müßte man auch die Geschichte der fran-zösischen Schriftsteller geben, welche, Dank ihrer deutschen